Einstein © Sat.1
RTL und Sat.1 buhlen um Serien-Fans

Vor dem Fiction-Duell: Drei Serien, drei Verlierer?

 

Es ist schon ein wenig kurios: Erst halten sich die Privatsender jahrelang mit deutschen Serien zurück - und dann liefern sich RTL und Sat.1 sogar ein direktes Duell. Die Produzenten von "Einstein" sind mit der Kampf-Programmierung nicht glücklich.

von Alexander Krei
13.02.2018 - 16:57 Uhr

"Den Dienstag übernehmen wir": So tönte RTL vor wenigen Wochen im ganzen Land auf seinen Plakaten, als es darum ging, für die neue Serie "Sankt Maik" zu trommeln. Zusammen mit "Beck ist back!" läuft die Geschichte um einen Hochstapler im Gewand eines Pfarrers inzwischen dort, wo der Kölner Sender bislang auf US-Serienware setzte - ein gewagtes Unterfangen, vor allem aber ein direkter Angriff auf Sat.1, wo man sich im vorigen Jahr ebenfalls dazu entschloss, den bislang vorwiegend Spielfilmen vorbehaltenen Dienstagabend für eigenproduzierte Serien zu öffnen. Oder besser gesagt: Für die einzige eigenproduzierte Serie, die Sat.1 derzeit besitzt.

Wenn sich an diesem Dienstag nun also "Einstein" mit Tom Beck zurückmeldet, kommt es daher zum Serien-Duell zwischen RTL und Sat.1. Ganz streng genommen handelt es sich sogar um einen Dreikampf, schließlich schickt die ARD mit "Um Himmels Willen" und "In aller Freundschaft" ebenfalls ihr gewohntes Serien-Programm ins Rennen. Man muss kein Hellseher sein, um zu erahnen, dass die beiden Dauerbrenner im Ersten beim Gesamtpublikum die Nase vorn haben werden. Mit Blick auf die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ist das Rennen dagegen ganz und gar nicht entschieden, zumal die neuen RTL-Serien in den vergangenen Wochen noch nicht zu Überfliegern mutierten.

Knapp 13 Prozent Marktanteil verzeichneten die ersten vier Folgen von "Sankt Maik", "Beck is back!" erzielte bislang weniger als zwölf Prozent - zuletzt schalteten hier sogar weniger als zwei Millionen Zuschauer ein. Selbst das Dschungelcamp wollte zum Auftakt nicht so recht für Rückenwind sorgen. Und dass Sat.1 kurzerhand den Kino-Hit "Fack ju Göhte" gegen die "Sankt Maik"-Premiere auffuhr, dürfte den Kölnern den Start ihres neuen Serien-Abends sicher nicht leichter gemacht haben. "Der Dienstag ist seit über 20 Jahren der Deutsche-Fiction-Sendeplatz in Sat.1. Den geben wir so leicht nicht auf", sagte Sat.1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger kürzlich im DWDL.de-Interview.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich auch Sat.1 zuletzt am Dienstagabend nicht immer leicht tat. Nicht selten erzielt der Sender mit seinen Filmen einstellige Marktanteile und auch "Einstein" war 2017 mit im Schnitt rund 10,6 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen kein alles überragender Hit - auch wenn die Serie damit freilich weit über den inzwischen normal gewordenen Sat.1-Werten lag. Dass sich die Story um den stets etwas überheblichen Professor Felix Winterberg nun auch gegen die deutsche Fiction von RTL behaupten muss, dürfte das Unterfangen in diesem Jahr noch etwas schwieriger machen. Dementsprechend werden die Verantwortlichen der Produktionsfirma Zeitsprung Pictures die Quotenentwicklung diesmal besonders aufmerksam betrachten.

"Einstein"-Produzenten nicht happy

Vor dem Serien-Duell zeigen sich die Zeitsprung-Produzenten Michael Souvignier und Dominik Frankowski jedenfalls wenig angetan von den Sendeplätzen, für die sich RTL entschied. "Wie immer gilt dabei: 'Konkurrenz belebt das Geschäft' und die die Anzahl der Tage an denen man deutsche Fiction ausstrahlen kann, ist begrenzt, aber wir würden lügen, wenn wir happy wären, dass die Serienoffensive von RTL gegen den etablierten Sat.1-Fiction-Dienstag und die Ausstrahlungen der zweiten Staffel von 'Einstein' läuft", so Souvignier und Frankowski gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de. "Es wird jetzt spannend zu beobachten, ob es zwei Sieger dabei geben kann, oder - womöglich - am Ende beide Federn lassen müssen."

Und doch ist es aus Produzentensicht ein gutes Zeichen, dass die Privaten wieder verstärkt in deutsche Serien investieren wollen. "Generell ist es aktuell sehr spannend zu verfolgen, wie sich die deutsche Serienlandschaft bei den Privatsendern entwickelt. Serien stärken die Identität eines Senders. Geben Ihnen ein wiederkehrendes Gesicht", betonen die Produzenten von "Einstein" und verweisen darauf, dass gleichzeitig aus dem Ausland immer weniger kommt, das für die hiesigen Privatsender interessant sei. "Und es gibt auch den Willen, lieber eigene, starke Marken zu kreieren als diese für teures Geld und nur für ein paar Ausstrahlungen aus dem Ausland zu lizenzieren. Mit 'Einstein' haben wir nun eine Marke geschaffen, die sich hervorragend ins Ausland verkauft."

Zunächst einmal liegt es aber an den deutschen Zuschauern, wie es um die Zukunft von "Einstein" und den beiden von UFA Fiction produzierten RTL-Serien bestellt ist. Dass man in Köln gewillt ist, den Dienstag langfristig mit deutschen Produktionen zu bespielen, zeigt derweil die Tatsache, dass schon jetzt Nachschub bereitliegt. Auch die Anwaltsserie "Jenny - echt gerecht" mit Birte Hanusrichter und die Medical-Serie "Lifelines" mit Jan Hartmann will RTL in Konkurrenz zur deutschen Fiction von Sat.1 zur Ausstrahlung bringen. Ob es am Ende wirklich reicht, um den Dienstag zu übernehmen, ist jedoch alles andere als eine ausgemachte Sache.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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