Thomas Lückerath © DWDL.de / Marc Walter
DWDL.de-Kommentar zur aktuellen Lage

Liebste Fernsehbranche, eine Frage... what the f*ck?

 

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Thomas Wagner© ProSiebenSat.1
Als Thomas Ebeling noch den TV-Konzern führte, besuchte der CEO die wichtigsten Werbekunden persönlich. TV-Spots verkaufen sich nicht mehr von allein - das spüren alle TV-Vermarkter. Die Chefarzt-Behandlung, so albern es klingt, war bei wichtigen Kunden mitunter ausschlaggebend. Max Conze wiederum kümmert sich darum weniger - und die von ihm berufene Michaela Tod ist in der Agentur- und Werbebranche ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Ob das der Vermarktung von SevenOne Media helfen wird? Es wäre nicht verwunderlich, sollte SevenOne-Media-Chef Thomas Wagner (Foto) bald das Handtuch werfen.

Ungeklärt bleibt auch die Frage, welche Priorität RedArrow Studios noch für die ProSiebenSat.1 Media SE hat. Mit Jan Frouman und Michael Schmidt gehen zwei, die den internationalen Arm des Unterföhringer Medienhauses seit 2010 aufgebaut haben - hinter vorgehaltener Hand offenbar aufgrund mangelnder Perspektive. Verkaufen oder fusionieren? Angesichts von Berichten über den wieder aufgenommenen Verkaufsprozess von EndemolShine sowie der Kauflust u.a. vom französischen Medienkonzern Banijay wird es auf dem internationalen Markt der Produktionsfirmen auch noch Überraschungen geben.



Stephan Schäfer übernimmt bei der Mediengruppe RTL© DWDL / MGRTL / G+J
In Köln wiederum fragt sich die Belegschaft der Mediengruppe RTL Deutschland, ob Fernsehen wirklich ein Halbtagsjob ist, der sich nebenbei erledigen lässt. Dass der neue Geschäftsführer Inhalte & Marken der Mediengruppe noch nie Fernsehen gemacht hat, irrritierte kurz. Aber CEO Bernd Reichart wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Zum ungläubigen Running Gag in Köln-Deutz wurde aber die Tatsache, dass Schäfer diese Aufgabe parallel zu seinen Aufgaben bei Gruner+Jahr in Hamburg ausübt. Die zunehmende Verschmelzung von Mediengruppe RTL Deutschland und Gruner+Jahr wird übrigens kritisch beäugt - in Luxemburg.

Dass Bertelsmann seine beiden deutschen Medienhäuser mittelfristig vereinen will, ist durch gemeinsame Personalien und die gegründete AdAlliance sowie ContentAlliance nun recht offensichtlich. Doch es gibt ein Problem: Die Mediengruppe RTL Deutschland ist eine Tochter der RTL Group in Luxemburg. Die wiederum gehört zwar zu 75,1 Prozent zu Bertelsmann, aber eben nicht komplett. Dass der Hauptaktionär seine deutschen Medienaktivitäten konzentrieren will, muss den anderen Aktionären der RTL Group nicht unbedingt gefallen.

Die Mediengruppe RTL Deutschland: Neu aufgestellt, aber einige Fragen offen

Bert Habets© RTL Group
Deutlicher formuliert: Wenn Bertelsmann der hoch profitablen Mediengruppe RTL Deutschland perspektivisch den weniger profitablen Verlag aus Hamburg unterjubeln sollte und damit deren Ertrag schmälern würde, könnten Kleinaktionäre der RTL Group zu Recht fragen, warum sie die Ertragsminderung hinnehmen sollten. Die RTL Group hat schließlich unmittelbar nichts mit dem Printgeschäft von Gruner+Jahr zu tun. Im Namen der Kleinaktionäre kann Bert Habets, CEO der RTL Group, die von Gütersloh aus verstärkte Achse Köln-Hamburg nicht gefallen.

Aber es gibt auch noch ungeklärte Personalien innerhalb der Mediengruppe RTL Deutschland: Mit der Verpflichtung von Ex-„Bild“-Chefin Tanit Koch stellt sich die Frage, wie lange Michael Wulf noch Lust hat auf InfoNetwork - einst gegründet als zentrale Redaktion für die Mediengruppe RTL Deutschland. Denn Tanit Koch soll nicht nur n-tv-Chefin werden, sondern Chefredakteurin einer Zentralredaktion der Mediengruppe RTL Deutschland - also genau das, was Michael Wulf an der Spitze von infoNetwork seit 2007 ist. Die offene Doppelung der Aufgaben - sie wurde von der Mediengruppe RTL Deutschland nicht adressiert.

Thomas Kreyes© MG RTL D / Stefan Gregorowius
Dann wäre da noch die Nachfolge von Thomas Kreyes (Foto) zu regeln. Er war zuletzt als Generalsekretär und oberster Kommunikator der Mediengruppe RTL Deutschland, was insofern skurril war, weil kaum ein Journalist jemals mit ihm zu tun hatte. Wer folgt also auf das Phantom und kommuniziert für die von Bernd Reichart neuaufgestellte Mediengruppe? Für eine interne Lösung wartet man nun schon ziemlich lang auf die Benennung. Kommt also jemand von extern? Größer ist nur noch das Rätsel, was Marc Schröder genau eigentlich noch in der Mediengruppe macht.

Schröder war einst Geschäftsführer von RTL Interactive und wurde dort 2017 durch Jan Wachtel ersetzt, der seitdem und auch künftig im Digitalen aufholen soll, was unter der konservativen Strategie von Anke Schäferkordt und Marc Schröder versäumt wurde. Schröder wurde auf den etwas nebulösen Posten des Chief Strategy Officer weggelobt. Doch als solcher gehört er nicht der neuen, von Bernd Reichart eingezogenen Führungsriege an. So wirkt es jedenfalls wie eine noch ungeklärte Personalie auf dem Abstellgleis.

Und dann kommen noch die neuen Wettbewerber

Apple© Apple
Es ist wirklich irre, was sich derzeit in der deutschen Branche tut. Selten war mehr in Bewegung, aber natürlich nicht nur hier: In den USA wird zum Beispiel der Umbau von Warner Media vorangetrieben, der ebenso noch Auswirkungen auf die deutschen Töchter haben kann, wie die Übernahme von Sky durch Comcast. Und am 25. März wird Apple in Cupertino sein eigenes TV-Angebots präsentieren. Disneys VoD-Dienst wird starten und Warner arbeitet bekanntlich auch an einem eigenen Angebot. Fast alle denken und agieren international. Es bleibt spannend, wie deutsche Angebote sich dagegen positionieren (können).

Fassen wir zusammen: Beide Privatsender-Gruppen haben sich neu aufgestellt, Fred Kogels Tele München Gruppe ist mit KKR im Rücken eine unbekannte neue alte Größe, auf dem Produktionsmarkt sind nach wie vor akut große Übernahmen oder Fusionen zu erwarten und der VoD-Markt wird sich mit noch mehr Angeboten, national wie international, weiter verschärfen. Die Werbevermarktung wird nicht einfacher und die Auswirkungen mancher internationaler Übernahmen auf den deutschen Markt bleibt ebenso ungewiss. Lassen wir uns überraschen. Alles scheint möglich.

Selten war es spannender diese Branche Tag für Tag zu begleiten. Aber was zum Teufel will Will Smith jetzt eigentlich mit Telepool?

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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