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Wie das ZDF mit dem "Schwarm" angreifen will

"Es ist an der Zeit, für den Weltmarkt zu produzieren"

 

Das ZDF steckt mitten in den Planungen zur Serien-Adaption von "Der Schwarm" - und die soll groß werden, wie die Verpflichtung von "Game of Thrones"-Regisseur Alan Taylor zeigt. Im Blick hat der Sender Zuschauer auf der ganzen Welt.

von Alexander Krei , Cannes
08.04.2019 - 16:33 Uhr

Das ZDF hat sich viel vorgenommen: Nichts weniger als die teuerste deutsche Serie soll die Verfilmung von Frank Schätzings Bestseller "Der Schwarm" werden, für die der Mainzer Sender unter der Leitung von Frank Zervos einiges in Bewegung setzt. Nachdem bereits im Herbst bekannt wurde, dass die ndF und Intaglio Films, das neue Joint Venture von Beta Film und ZDF Enterprises, die Produktion übernehmen und die kreative Leitung bei Frank Doelger, dem langjährigen Executive Producer von "Game of Thrones", liegen wird, steht jetzt eine weitere Personalie fest: Alan Taylor fungiert bei dem Großprojekt als Regisseur.

Doelger kennt den Amerikaner durch die gemeinsame Zeit bei "Game of Thrones" bestens, daneben führte Taylor in der Vergangenheit unter anderem bei "The Sopranos", "Sex and the City" oder "Mad Men" Regie. Auf der MIPTV in Cannes war er am Montag zwar nicht zugegen, doch mit einer Videobotschaft richtete er seine Grüße an die Fachbesucher, denen Doelger, Zervos und ndF-Chef Eric Welbers den aktuellen Wasserstand ihrer "Schwarm"-Serie präsentierten. Voraussichtlich bis zum Sommer soll feststehen, welche weiteren Partner bei der Mammut-Produktion mit an Bord an Bord sein werden – und auch mit ersten Darstellern dürfte man dann Einigkeit erzielt haben. Aktuell suche man auch noch nach "weiteren starken deutschen Regisseuren", betonte Doelger.

Sicher ist dagegen, dass zunächst acht Folgen entstehen sollen, deren Produktion für das kommende Jahr angepeilt wird. Die Ausstrahlung plant das ZDF dann für das Jahr 2021 ein – vermutlich innerhalb einer Woche will der Sender vier Abende freiräumen und die Serie um eine Doku-Reihe ergänzen. Eine Fortsetzung ist dabei ausdrücklich erwünscht: Bis zu vier Staffeln mit insgesamt 32 Folgen könnten am Ende gedreht werden, allesamt in englischer Sprache. "Wir wollen beweisen, dass wir Deutschen Englisch sprechen können", erklärte Frank Zervos, der seit 2018 die ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie I führt.

In Serien wie "Der Schwarm" oder auch "Babylon Berlin", "Bad Banks" oder "Dark" sieht Zervos auch einen Paradigmenwechsel für den deutschen Fernsehmarkt. "Über Jahrzehnte hinweg haben die Produzenten in Deutschland für den deutschen Markt produziert. Jetzt ist es an der Zeit, von hier aus Serien für den Weltmarkt zu produzieren." Die Frage, ob "Der Schwarm" hierzulande dann auch in Englisch ausgestrahlt werden soll, beantwortete Zervos allerdings mit einem klaren Nein. Erstaunlich klar formulierte der ZDF-Mann dagegen seine Erfolgserwartungen: Er rechne in Deutschland mit zehn Millionen Zuschauern – oder sogar mehr.

Doch bis es soweit ist, müssen noch einige Fragen geklärt werden. Weil weite Teile der Handlung im Wasser spielen, stellten die Special Effects eine große Herausforderung dar. Diese seien für die Story enorm wichtig und definitiv nichts, das sich "schon irgendwie nachher klären" lasse, sagte Frank Doelger in Cannes. Was all das am Ende genau kosten wird, wollten weder er noch seine Kollegen beziffern – wohl auch, weil das zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin noch gar nicht möglich ist. Viele Fragen werden in den nächsten Wochen und Monaten zu beantworten sein. Dass das ZDF den ganz großen Aufschlag plant, daran besteht jedoch schon jetzt kein Zweifel mehr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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