Thilo Jahn stößt als Moderator zum ARD-Kulturmagazin "titel, thesen, temperamente" ("ttt") hinzu, das hat der federführende MDR jetzt bestätigt. Jahn fungiert künftig als zweiter Moderator hinter Siham El-Maimouni, die weiterhin durch einen Großteil der Sendungen führen wird. Während El-Maimouni künftig rund zwei Drittel der Folgen pro Jahr moderieren wird, übernimmt Thilo Jahn den Rest. Seinen ersten Einsatz hat er am 30. August - also nach der Sommerpause. Insgesamt vier "ttt"-Ausgaben wird Jahn in diesem Jahr noch präsentieren.
Jahn hat sich in einem mehrstufigen Auswahlprozess gegen weitere Kandidatinnen und Kandidaten durchgesetzt - und er ist der inoffizielle Nachfolger von Thilo Mischke, den die ARD Ende 2024 als zweiten "ttt"-Moderator angekündigt hatte. Daraufhin formierte sich großer Widerstand, auch in der Kulturbranche selbst. Grund waren frühere Aussagen Mischkes und allen voran sein 2010 erschienenes Buch "In 80 Frauen um die Welt". Die ARD sah schließlich doch von einer Verpflichtung des Journalisten ab - gab in der Zeit aber ein kommunikativ klägliches Bild ab.
Die Personalie Thilo Jahn dürfte nun für wesentlich weniger Wirbel sorgen. Er hat nicht nur kein Buch geschrieben, das für Streit sorgen könnte, er ist darüber hinaus auch seit vielen Jahren im Kulturbetrieb aktiv. Der Journalist arbeitet für Deutschlandfunk Nova, One und den WDR, für den er bis 2023 einige Jahre lang das Kulturmagazin "Westart" moderierte. Also die Sendung, die aktuell auch von Siham El-Maimouni präsentiert wird. Jahn blieb nach seinem Abgang als Moderator als Headautor beim WDR-Magazin an Bord.
"Es hat im Auswahlverfahren mehrere Abstimmungsrunden nach Punktesystem gegeben und am Ende ist es eine gemeinsame einstimmige Entscheidung aller beteiligten Redaktionen der ARD gewesen."
Jana Cebulla, Hauptredaktionsleiterin Kultur und Jugend im MDR
2015 ist Jahn in der Kategorie Unterhaltung/Spezial mit einem Grimme-Preis für das WDR/EinsFestival-Format "Mr. Dicks – Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin" ausgezeichnet worden. Vier Jahre später erhielt er zusammen mit Ilka Knigge den Deutschen Radiopreis für das beste Nachrichten- und Informationsformat ("Update" von Deutschlandfunk Nova).
© MDR/Hagen Wolf
Jana Cebulla
Für Cebulla ist die Personalie Jahn eine der letzten Entscheidungen, die sie im Rahmen ihres aktuellen Jobs beim MDR begleitet. Im Juli wechselt sie zum RBB, wo sie Leiterin des Programmmanagements wird (DWDL.de berichtete). Nach aktuellem Stand soll ihre Nachfolge im MDR zunächst kommissarisch besetzt werden. Die "ttt"-Federführung innerhalb der ARD bleibt beim MDR, diese hatte der Sender nach dem Debakel rund um die Mischke-Verpflichtung übernommen.
"Hoher journalistische Kulturkompetenz"
Cebulla lobt den neuen "ttt"-Moderator nun als jemanden mit "hoher journalistischer Kulturkompetenz, der im Casting durch seine kommunikative Stärke überzeugt" habe. "Er kennt den Kulturbetrieb mit seinen Akteurinnen und Akteuren aus erster Hand", so Cebulla weiter. Das war den ARD-Verantwortlichen besonders wichtig, um nicht mehr in die Situation zu kommen, wie sie nach der angekündigten Mischke-Verpflichtung eintrat. Damals stellten sich dutzende Kulturschaffende gegen ARD und Mischke.
"Die Kulturkompetenz war uns sehr wichtig und wir wollten jemanden, der in der Kulturbranche akzeptiert ist", sagt Jana Cebulla gegenüber DWDL.de. Und: Thilo Jahn war im ersten Auswahlverfahren, aus dem noch Thilo Mischke als Sieger hervorging, nicht mit dabei. Ihn, aber auch die anderen Bewerberinnen und Bewerber, hätten die Vorgänge rund um den Fall Mischke nicht abgeschreckt, sagt Jana Cebulla. "ttt hat als Marke eine hohe Strahlkraft", sagt sie. Und dennoch dürfte besonders viel Augenmerk auf der Personalie liegen. Vermutlich mehr, als wenn es die zunächst angekündigte und dann doch wieder zurückgezogene Verpflichtung von Thilo Mischke nicht gegeben hätte.
"Gemeinsam mit Siham El Maimouni möchte ich neue Perspektiven eröffnen, spannende Geschichten erzählen und die Vielfalt von Kultur für alle erlebbar und spürbar machen."
Thilo Jahn
Und Thilo Jahn? Der sagt zu seiner neuen Aufgabe: "Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe bei ‚ttt‘ und empfinde es als große Ehre, Teil dieses traditionsreichen Kulturmagazins zu werden. ‚ttt‘ steht seit Jahrzehnten für klugen, differenzierten und relevanten Kulturjournalismus – ein Anspruch, der mich absolut begeistert. Kultur berührt mich in jeder erdenklichen Emotion, die ich gerne teile. Gemeinsam mit Siham El Maimouni möchte ich neue Perspektiven eröffnen, spannende Geschichten erzählen und die Vielfalt von Kultur für alle erlebbar und spürbar machen."
Parallel noch Markenerweiterung bei "ttt"
Neben der Frage, wer "ttt" in Zukunft neben Siham El-Maimouni noch moderieren wird, haben sich die beteiligten ARD-Anstalten in den zurückliegenden Monaten auch an einer Markenerweiterung versucht. Ende 2025 ist erstmals der "ttt talk" zu sehen gewesen, damals mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zu Gast. Zur Buchmesse ist zudem eine "ttt"-Reportage rund um New-Adult-Literatur veröffentlicht worden. Eine zweite Reportage folgt Ende Mai, inhaltlich wird man sich darin mit dem Frauenbild in Social Media beschäftigen.
Mit dem Talk sei man zufrieden gewesen, sagt Cebulla. Man habe viel positives Feedback erhalten. Das sei ein guter Aufschlag gewesen, nun sei man in der weiteren Formatentwicklung. Anfang Juni wird es außerdem einen Workshop aller "ttt"-Redaktionen geben, dort will man dann auch darüber sprechen, wie es mittelfristig mit den Ablegern weitergeht.
von




