Es ist erst wenige Wochen her, da konnte Wolfram Weimer gleich zweierlei verkünden. Neben der Investitionsverpflichtung passierte auch die Verdopplung der staatlichen Filmförderung auf 250 Millionen Euro das Bundeskabinett. "Der Produktionsstandort Deutschland hat gewonnen", jubelte der Kulturstaatsminister Ende Mai im DWDL.de-Interview und sprach von einem "echten Filmbooster". Weimer äußerte sich geradezu euphorisch: "Das kann der gesamten Branche einen Schub geben - spürbar in allen Gewerken, von Schauspielerinnen über Beleuchter bis hin zum Regisseur, von den Produzenten bis zu den Studios. An der Küste würde man sagen: Die Flut, die da kommt, wird alle Boote heben."

Mit Blick auf das kommende Jahr tritt die Bundesregierung nun allerdings schon wieder auf die Bremse. Der Verband Technischer Betriebe für Film und Fernsehen (VTFF) verwies am Donnerstag in einer Pressemitteilung auf den Anfang der Woche vom Kabinett verabschiedeten Haushaltsentwurf für 2027, aus dem hervorgehen soll, dass die gerade erst aufgestockte Filmförderung wieder gekürzt werden soll. Zu hören sei, "dass durch die globalen Sparauflagen über alle Bundesministerien hinweg die Gesamtsumme für die Filmförderung weiter auf rund 200 Millionen Euro sinkt". 

Und tatsächlich: Auf DWDL.de-Nachfrage bestätigte eine Sprecherin des Kulturstaatsministers am Donnerstag die geplanten Kürzungen der Filmförderung. "Die Bundesregierung hat die Filmfördermittel mit 250 Millionen Euro in diesem Jahr nahezu verdoppelt. Gut 200 Millionen Euro stehen nun - vorbehaltlich des weiteren Aufstellungsverfahrens - auch 2027 bereit. Das ergibt immer noch einen Aufwuchs von rund 70 Millionen Euro gegenüber 2025", so die Sprecherin. "Damit bleibt dieser Förderrahmen auch weiterhin deutlich robuster ausgestattet als in vergangenen Legislaturperioden. Zusammen mit den strukturell verbesserten Rahmenbedingungen aus der Filmförderreform ist Deutschland hervorragend gewappnet, um die Infrastruktur seines Filmschaffens zu sichern und zu neuer Standortstärke zu kommen."

Achim Rohnke © VTFF Achim Rohnke
In Weimers Haus ist man also darum bemüht, die Reduzierung als Erfolg zu verkaufen - ein schwacher Trost für die Branche, erst recht so kurz nach dem zähen Ringen der vergangenen Jahre. Entsprechend enttäuscht reagierte der VTFF. Die Kürzungen seien ein "fatales Signal" für die heimische Film- und Fernsehwirtschaft und einen Schlag für die internationale Reputation des Filmstandorts Deutschland, erklärte VTFF-Geschäftsführer Achim Rohnke und warf der Bundesregierung einen "Schlingerkurs" vor, der "rational kaum noch nachvollziehbar" sei. "Nach dem Aufbruchsignal kommt jetzt der Sparhammer", so Rohnke.

Diese Form der Politik sei das Gegenteil einer zukunftsfesten Rahmensetzung, die Vertrauen und Investitionsbereitschaft in den Produktionsstandort Deutschland schaffe. Sie erzeuge Frust und Verunsicherung in der Film- und Fernsehindustrie, vor allem aber bei den technisch-kreativen Dienstleistern, die dringend auf mehr Aufträge und höhere Auslastung angewiesen sind. "Viele der zumeist kleinen und mittleren Dienstleister stecken in der Krise. Wir erleben seit Jahren eine Insolvenzwelle", sagte Rohnke und verwies auch auf internationale Partner. "Jetzt müssen Investoren aus dem Ausland erleben, dass zugesagte Fördergelder einmal mehr nicht zur Verfügung stehen. Das kostet Investitionen und schädigt die Reputation der heimischen Film- und Fernsehindustrie."

Michelle Müntefering © Jorinde Gersina Michelle Müntefering
Empörung auch bei der Produktionsallianz. "Die Erhöhung für dieses Jahr ist kaum beschlossen, schon kommt die Kürzung für das Nächste! Das dämpft den Aufbruch erheblich, den die Branche so dringend braucht", sagte Michelle Müntefering, CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz, auf DWDL.de-Anfrage. "Als Unternehmerinnen und Unternehmer wissen wir: Der Haushalt wird knapper. Wir wissen aber auch: Entscheidend für die Filmwirtschaft sind Planbarkeit und Verlässlichkeit. Meine Hoffnung liegt auch bei den Parlamentariern, die richtigen Schwerpunkte zu setzen."

Die Filmreform müsse "jetzt konsequent und komplett umgesetzt werden", so Müntefering. "Um die Investitionsverpflichtung und einen perspektivischen Steueranreiz geht kein Weg mehr vorbei." VTFF-Geschäftsführer Achim Rohnke forderte die Politik zudem auf, die nun vorgesehenen Kürzungen auf dem weiteren parlamentarischen Weg zu korrigieren. "Der Haushaltsentwurf", so Rohnke, "kann in dieser Form nicht im Deutschen Bundestag beschlossen werden."