Was DWDL.de bereits in der vergangenen Woche berichtete, haben das ZDF und ProSiebenSat.1 heute auch offiziell gemacht: Die Partner haben sich auf eine Einbindung der ZDF-Inhalte auf der Streaming-Plattform Joyn verständigt. Voraussichtlich ab dem 4. Quartal sollen ZDF-Inhalte demnach kosten- und werbefrei direkt über Joyn abrufbar sein. Im vergangenen Jahr war ProSiebenSat.1 zunächst vorgeprescht und hatte Inhalte von ARD und ZDF ungefragt in sein Angebot eingebettet, wogegen sich die Sender juristisch und mit scharfen Worten wehrten.

Im neuen Medienstaatsvertrag sind Kooperationen zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien inzwischen allerdings auch explizit erwünscht. Dementsprechend kommt aus der Medienpolitik nun auch Lob für diese Einigung. Der nordrhein-westfälische Medienminister Nathanael Liminski bezeichnete die erweiterte Zusammenarbeit in einem Statement am Dienstag als "starkes Signal für die Zukunft des dualen Mediensystems".

Liminski weiter: "Als Medienminister begrüße ich das als ein gutes Vorbild für das neue Miteinander von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privatfernsehen. Dass ZDF-Inhalte künftig auch über Joyn erreichbar sind, verbessert die Auffindbarkeit hochwertiger journalistischer und kultureller Angebote. Davon profitieren vor allem die Nutzerinnen und Nutzer. Wir haben uns als Nordrhein-Westfalen bei der Weiterentwicklung des Medienstaatsvertrages besonders eingesetzt für kluge Kooperation statt künstlicher Konkurrenz. Dieses Beispiel zeigt, wie moderne Medienregulierung Innovationen ermöglicht und zugleich die Vielfalt des dualen Mediensystems stärkt."

Florian Herrmann © Bayerische Staatskanzlei
Auch der bayerische Medienminister Florian Herrmann begrüßte in einem Statement am Dienstagnachmittag die Vereinbarung ausdrücklich. "Sie zeigt, dass wir im Reformstaatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk die richtigen Weichen für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien gestellt haben. Bayern hat sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, solche Kooperationen ausdrücklich zu ermöglichen. Dass es jetzt aufgegriffen wird, ist gut für die Beteiligten, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger. Wenn hochwertige ZDF-Inhalte künftig kostenlos und werbefrei auch über die Streaming-Plattform Joyn erreichbar sind, profitieren beide Seiten durch mehr Reichweite, bessere Auffindbarkeit und einen einfacheren Zugang für die Nutzerinnen und Nutzer. Das ist eine echte Win-Win-Situation und zugleich ein starkes Signal für das duale Mediensystem und für die Sichtbarkeit hochwertiger journalistischer Angebote im digitalen Wettbewerb."

Dass Liminski von einem Vorbild-Charakter spricht und auch aus Bayern ausdrückliches Lob kommt, dürfte man auch bei der ARD zur Kenntnis nehmen. Dort war das Verhältnis zu ProSiebenSat.1 nach dem unabgestimmten "Beta-Test" im vergangenen Jahr noch eisiger, die öffentliche Auseinandersetzung zwischen den Protagonisten war sprachlich intensiver als die zwischen Unterföhring und Mainz. "Nach der etwas kontroversen Episode rund um die Einbindung der Mediatheksinhalte im letzten Jahr sind wir nun wieder zu einem guten partnerschaftlichen Umgang zurückgekehrt", hieß es im Februar von der ARD gegenüber DWDL.de auf die Frage, wie eigentlich der aktuelle Stand in Sachen Embedding aussieht. ProSiebenSat.1 dürfte auch hier nach wie vor an einem Embedding interessiert sein, eine Einigung darauf gibt es bislang aber nicht.

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Update, 16:10 Uhr: Wir haben den Artikel um eine Statement von Florian Herrmann ergänzt.