Seit Anfang des Jahres will Netflix, dass Synchronsprecherinnen und Synchronsprecher Verträge unterzeichnen, in denen neue KI-Klauseln enthalten sind. Im Kern geht es darum, dass Netflix die Aufnahmen der Sprecher zu Trainingszwecken einer KI zuführen will, eine Vergütung ist dafür nicht vorgesehen. Während der Streamer mit der Schauspielgewerkschaft BFFS bereits im Sommer 2025 auf eine Vorgehensweise in der Sache geeinigt hat, trommelt der VDS seither gegen das Vorhaben.
Die Fronten sind allerdings verhärtet: Netflix will die neuen KI-Bestimmungen in den Verträgen nicht zurücknehmen und nimmt auch Neubesetzungen von Stimmen vor, wenn Sprecherinnen und Sprecher die Verträge nicht unterzeichnen wollen. Die Betroffenen fürchten, ihr eigenes Grab zu schaufeln, wenn eine KI künftig mit genügend Training ganz alleine synchronisieren kann. Sie formieren Widerstand, der bislang allerdings noch ohne große Folgen geblieben ist. Andere Sprecherinnen und Sprecher haben die Verträge unterschrieben und können weiter für Netflix arbeiten - dadurch gibt es auch unter den Sprechern in der Sache unterschiedliche Ansichten und Interessen.
Nun hat der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht. Zudem unterstützt der Verband die Datenschutzbeschwerde verschiedener Sprecherinnen und Sprecher, unter anderem von Matti Klemm (Jason Momoa, Benjamin Blümchen u.a.), die Anfang September bei der Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit eingereicht wurde.
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Von den eingereichten Beschwerden verspricht sich der VDS nach eigenen Angaben, dass sich nun staatliche Aufsichtsbehörden mit der Rechtslage befassen und die Praxis von Netflix "auf Herz und Nieren prüfen". Anna-Sophia Lumpe, 1. Vorsitzende des VDS, erklärt: "Wir haben beim Bundeskartellamt Beschwerde eingelegt, damit geprüft wird, ob Netflix seine Marktmacht missbraucht. Nach unseren Erfahrungen fühlen sich viele Sprecher:innen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, die AOR-Vereinbarung einschließlich der Einwilligung zum KI-Training zu unterzeichnen. Das ist besonders problematisch, weil sie damit möglicherweise zur Entwicklung technischer Systeme beitragen, die ihre eigene Tätigkeit künftig überflüssig machen könnten."
Sollte Netflix die Stimmen nutzen, um KI-Systeme zu trainieren und Synchronproduktionen künftig automatisiert zu erstellen, bestünde laut Lumpe die Gefahr, "dass das Unternehmen seine Marktmacht zulasten selbständiger Sprecher:innen ausnutzt und diese vom Markt verdrängt". Deshalb will der VDS, dass das Bundeskartellamt auch prüft, ob der Streamer seinen Vertragspartnern die Bedingungen überhaupt auferlegen darf.
Vom BFFS hieß es zuletzt, die Annahme, den Einsatz von KI durch Boykott und Blockade verhindern oder zurückdrehen zu können, greife zu kurz und führe zu "unabsehbaren Nachteilen für die Synchronbranche". Der Einsatz von KI in der Film- und Synchronproduktion sei heute längst Realität. Wer die Verträge nicht unterschreibe, laufe Gefahr, umbesetzt zu werden, warnt der BFFS.
Im Januar hatte Netflix bereits damit gedroht, anstatt von deutschen Synchronfassungen bei betroffenen Produktionen nur noch Untertitel anzubieten. Dies würde, so Netflix damals, nicht nur das Erlebnis der Abonnenten beeinträchtigen, "sondern könnte auch die lokale Synchronisationsbranche gefährden und letztlich Auswirkungen auf die Arbeitsplätze deutscher Synchronsprecher haben". Zu großflächigen Synchron-Ausfällen ist es bislang nicht gekommen, sehr wohl aber zu Neubesetzungen, die einzelne Fans irritiert haben dürften. Der ganz große Aufschrei vom Publikum blieb bislang jedoch aus.
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