Falscher Ryan Gosling © ProSieben
Wie "HalliGalli" einen Koch zu Ryan Gosling machte

Goldene Kamera fiel auf falsche Künstler-Agentur rein

 

Dass "Circus HalliGalli" hinter dem falschen Ryan Gosling bei der Goldenen Kamera steht, ließ sich schnell erahnen. Doch wie konnte es so weit kommen? Jetzt wurden Details bekannt, die die Beliebigkeit bei der Wahl der Preisträger untermauern...

von Alexander Krei
06.03.2017 - 13:10 Uhr

Da staunten die prominenten Gäste im Saal und die Zuschauer vor dem Fernseher nicht schlecht: Gerade hatte Moderator Steven Gätjen "the one and only Ryan Gosling" angekündigt, der die Goldene Kamera für "La La Land" in Empfang nehmen sollte, da betrat ein unbekannter Mann die Bühne, um den Preis für den besten internationalen Film entgegenzunehmen, und machte in seiner kurzen Dankesrede keinen Hehl daraus, von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf geschickt worden zu sein.

Wie inzwischen bekannt ist, handelt es sich bei dem Mann um Ludwig Lehner, einen gelernten Koch aus München, dessen Auftritt die Mannschaft der ProSieben-Show "Circus HalliGalli" akribisch vorbereitet hat - kaum ahnend, dass der Plan tatsächlich aufgehen würde. "Eigentlich waren wir uns sicher, dass das niemals funktonieren würde", sagt Klaas Heufer-Umlauf jetzt. "Nicht bei der glamourösesten Preisverleihung des Landes. Nicht im ZDF. Nicht live. Eigentlich. Wir waren uns sicher, dass es irgendwann jemandem auffallen würde."

Doch es fiel eben keinem auf - oder zumindest traute sich selbst in letzter Sekunde keiner der Verantwortlichen, den offenkundigen Fake-Gosling am Weg auf die Bühne hindern. "Als Ryan Gosling am Samstagabend tatsächlich die Bühne des ZDF betrat, stellten auch wir uns diese eine Frage: Wie zum Teufel konnte das passieren?", so Heufer-Umlauf. Klar ist nun aber zumindest, wie es überhaupt so weit kommen konnte: Wie ProSieben erklärte, gründete "Circus HalliGalli" im Vorfeld der Show eine Booking-Agentur, die angeblich Hollywood-Stars vermittelt.

Auf einer eigens angelegten Internetseite und per Newsletter habe die falsche Agentur schließlich darüber informiert, dass "La La Land"-Star Ryan Gosling am Samstag für einen Dreh in Hamburg sei. Im Lichte des Hollywood-Schauspielers wollte sich die Funke Mediengruppe, die die Goldene Kamera inzwischen veranstaltet, ganz offensichtlich gerne sonnen, sodass wohl eilig eine im Vorfeld der Show nicht per Pressemitteilung angekündigte Kategorie erfunden wurde, um Gosling in die Show zu locken. Der Preis für den besten Schauspieler ging ja schließlich bereits an - den echten - Colin Farrell.

Die nun bekannt gewordenen Details lassen die Goldene Kamera mit der offensichtlichen Beliebigkeit bei der Wahl ihrer Preisträger freilich nicht eben in einem besseren Licht dastehen - auch, weil die vermutlich ernst gemeinten deutschen Preisträger dadurch entwertet werden. Und doch bleiben noch immer Fragen offen: Wie Ludwig Lehner an Fans und anderen Hollywood-Größen unerkannt vorbeikommen konnte und weshalb selbst im Briefing niemand den Fake bemerkte, will ProSieben am Dienstagabend bei "Circus HalliGalli" zeigen.

Ganz neu ist die Willkür bei der Auszeichnung internationaler Größen übrigens nicht: Schon vor fünf Jahren hatte sich DWDL.de darüber gewundert, dass Denzel Washington bei der damals noch von Springer veranstalteten Gala als "Bester Schauspieler international" mit einer Goldenen Kamera geehrt wurde - obwohl er im Jahr zuvor in gar keinem aktuellen Film im Kino zu sehen war. Da passt das "Gosling-Gate" vom Wochenende nur allzu gut ins Bild.

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