Studio D mit Gebhard Henke © DWDL
Henke bestreitet Vorwürfe der Belästigung

WDR stellt Fernsehfilm-Chef Gebhard Henke frei

 

Während der WDR zunächst keine weiteren Angaben zum freigestellten "hochrangigen Mitarbeiter" machte, ging dieser am Montagnachmittag selbst in die Offensive: Gebhard Henke (Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie beim WDR) weist die Vorwürfe gegen ihn entschieden zurück.

von Thomas Lückerath
30.04.2018 - 17:33 Uhr

Dieser Montag war kein ruhiger Brückentag beim WDR und für Gebhard Henke noch viel weniger. Die „Bild“-Zeitung hatte in ihrer Montagsausgabe berichtet, dass der Kölner Sender einen weiteren „hochrangigen Mitarbeiter“ freigestellt habe. Angaben zur Identität des Betroffenen wurden nicht gemacht. Am Vormittag lagen dem Medienmagazin DWDL.de Informationen vor, wonach es sich um den langjährigen Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie, Gebhard Henke, handeln soll. Auf Nachfrage teilte die Pressestelle des WDR weiterhin nur kurz und knapp mit: „Es wurde ein Mitarbeiter freigestellt. Zu weiteren Details äußern wir uns aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht.“ Eine Anfrage bei Gebhard Henke selbst blieb zunächst unbeantwortet.



In der Kölner WDR-Zentrale legten die Spekulationen um den „hochrangigen Mitarbeiter“ unterdessen die reguläre Arbeit am Montagvormittag weitgehend lahm. Von einer „unheimlichen Atmosphäre“ und einer „Lähmung“ berichten Mitarbeiter des Senders. Am Mittag informierte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn dann nach DWDL.de-Informationen zunächst einen vergleichsweise kleinen Kreis von führenden Mitarbeitern über die Freistellung von Gebhard Henke. Eine Mitteilung im hauseigenen Intranet war noch nicht erfolgt, da ging der Beschuldigte selber in die Offensive und machte seine Identität am Montagnachmittag öffentlich. Sein Anwalt Prof. Dr. Peter Raue teilte mit:

„bild.de meldet heute, dass ein ‚hochrangiger Mitarbeiter‘ wegen des Vorwurfes der sexuellen Belästigung freigestellt worden sei. Bei dieser Person handelt es sich um unseren Mandanten, Gebhard Henke.

Gebhard Henke ist von Jörg Schönenborn, dem Fernsehdirektor des WDR, vor einigen Tagen mit der Behauptung konfrontiert worden, es gäbe konkrete Hinweise auf Vorwürfe wegen sexueller Belästigung durch Gebhard Henke. Auf dessen Bitte, diese Vorwürfe zu konkretisieren - wer hat wegen welchen Verhaltens einen solchen Vowurf erhoben? - erklärte Jörg Schönenborn, sich dazu nicht äußern zu können und zu wollen.

Ohne einen einzigen konkreten Sachverhalt zu nennen, hat am Sonntag, den 29. April 2018 Jörg Schönenborn Gebhard Henke von seinen Dienstpflichten freigestellt. Diese Maßnahme hätten er und der Personalchef Kurt Schumacher beschlossen. Es gäbe zwei konkrete Verdachtsmomente aus erster Hand mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung, die diesen Schritt notwendig machten. Auch bei diesem Gespräch wurde trotz Nachfragen unseres Mandanten kein einziger konkreter Fall - weder die angeblich belästigte Person, noch Ort, noch Zeitpunkt - genannt.

Gebhard Henke bestreitet entschieden, sich jemals so verhalten zu haben, wie ihm dies vorgeworfen wird.

Wir haben den WDR aufgefordert, die Vorwürfe bis zum 10. Mai 2018 zu konkretisieren, so dass Gebhard Henke dazu Stellung nehmen kann oder die Freistellung aufzuheben und den Beschäftigungsanspruch zu erfüllen.“

Konfrontiert mit der nun vorliegenden Stellungnahme von Henke erklärt WDR-Sprecherin Ingrid Schmitz am späten Montagnachmittag: „Wir haben verschiedene ernstzunehmende Hinweise, denen wir derzeit sehr sorgfältig nachgehen. Während dieser Überprüfung halten wir es für notwendig, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.“ Unklar bleibt, was Gebhard Henke, der seit 1984 für den WDR arbeitet und neben seinen Tätigkeiten für den Kölner Sender auch „Tatort“-Koordinator der ARD ist, überhaupt vorgeworfen wird. Fragen, die sich nicht nur Henke stellen wird.

 

Strategiewechsel: WDR-Intendant Buhrow will durchgreifen

Die schnelle Freistellung von Gebhard Henke passt jedoch in die zuletzt neu gewählte Strategie von WDR-Intendant Tom Buhrow. Lange wirkten er wie auch sein Sender getrieben von immer neuen Veröffentlichungen, was den Eindruck entstehen ließ, dass die Tragweite des Themas anfangs völlig verkannt wurde. Im Zuge der zunächst trägen Aufarbeitung bemängelte dann auch noch die WDR-Redaktionsvertretung in einem offenen Brief ein fehlendes Klima des Vertrauens im Sender, was der Aufklärung hinderlich sei.

Seit vergangenener Woche scheint Buhrow nun bewusst gegensteuern zu wollen. Am Donnerstagnachmittag wurde das Thema mit einer eigens einberufenen Pressekonferenz adressiert, auf der der WDR-Intendant dann auch Monika Wulf-Mathies, ehemalige EU-Kommissarin und frühere Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, als ehrenamtliche, externe Leiterin der Untersuchung von Vorwürfen sexueller Belästigung vorstellte.

Sie soll Zugriff auf alle Informationen und Gesprächspartner bekommen und will den Sachverhalt „zügig“ klären, auch wenn sie bei der PK zu bedenken gab, dass die gebotenen Sorgfalt bei der komplexen Thematik ihre Zeit brauche. Sie betonte gleichzeitig, man bewege sich bei dem Thema auch auf einem "schmalen Grat" zwischen Solidarität mit den Opfern und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Beschuldigten. Die schnelle Reaktion im Fall Henke, sie wirkt ein Stück weit auch wie eine gewollte Demonstration, dass der WDR selbst bei führenden Mitarbeitern kein Auge zudrückt.

Ob WDR-Intendant Tom Buhrow mit dem zügigen Handeln die Oberhand in der Debatte um Vorwürfe der sexuellen Belästigung im Sender gewinnen kann, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell in den kommenden Tagen die bislang nebulösen Vorwürfe gegen Gebhard Henke konkretisiert werden können. Die entschiedene Zurückweisung von Henke lässt erahnen, dass es eine harte Auseinandersetzung werden kann.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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