Rüdiger Böss © ProSiebenSat.1
Ein Urgestein geht

Nach über 25 Jahren: Rüdiger Böss verlässt ProSiebenSat.1

 

Er ist verantwortlich gewesen für den Erwerb von Lizenz-Serien und Filmen und hat dabei oft den richtigen Riecher bewiesen, zuletzt wurde der Bereich für viele deutsche TV-Sender aber immer unwichtiger. Nun nimmt Rüdiger Böss bei ProSiebenSat.1 seinen Hut.

von Timo Niemeier
18.12.2018 - 11:45 Uhr

Rüdiger Böss verlässt ProSiebenSat.1, das hat der Medienkonzern nun bekanntgegeben. Böss habe sich nach mehr als 25 Jahren dazu entschieden, das Unternehmen zum Jahresende zu verlassen. In seiner Rolle als Executive Vice President Group Content Acquisitions & Sales war Böss verantwortlich für den Erwerb von Lizenz-Serien und Filmen. Er holte große und prägende Erfolge wie "The Big Bang Theory", "Vier Hochzeiten & ein Todesfall", "Fack ju Göhte" oder auch "Grey’s Anatomy" zur Sendergruppe. In den 90er Jahren war er durch seine Einkäufe ("Akte X", "Alle unter einem Dach" etc.) wesentlich daran beteiligt, ProSieben zur heutigen Größe zu führen.

Besonders für ProSieben war Böss damit ein wichtiger Mann, setzt der Sender doch bis heute wie kein anderer auf US-Fiction. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Lizenzware sich in den zurückliegenden Jahren bei allen Sendern schwerer tat als in der Vergangenheit, vor allem US-Serien liefen nicht mehr so gut. Auch ProSiebenSat.1 kündigte zuletzt einen stärkeren Fokus auf Eigenproduktionen an. Künftig wird Henrik Pabst den Job von Rüdiger Böss übernehmen. Der derzeitige Chef von Red Arrow Studios International wird zum 1. Januar Chief Commercial Officer Entertainment und dann auch verantwortlich sein für die Bereiche Content Acquisitions und Content Sales.

Conrad Albert, Deputy CEO und General Counsel der ProSiebenSat.1 Media SE, sagt zum Abschied von Böss: "Rüdiger Böss hat eine Ära bei ProSiebenSat.1 geprägt – er war unser Mann in Hollywood, unser Türöffner zu den großen Filmstudios. Sein Gespür für den nächsten großen TV-Hit, sein Verhandlungsgeschick und seine Leidenschaft für Filme sind legendär. Er hat alle großen Blockbuster und US-Quotenerfolge für uns nach Deutschland geholt. Und zu all dem war er immer ein großartiger Kollege und Wegbegleiter. Wir danken Rüdiger von Herzen für diese unvergleichlichen Jahre und wünschen ihm alles erdenklich Gute für seine Zukunft."    

Böss war seit 1992 für ProSiebenSat.1 tätig, es gibt wohl nur wenige in der Branche, die noch länger in einer Führungsposition arbeiten. Zu seinem Abschied sagt er nun: "Ich blicke mit Wehmut und Dankbarkeit auf dieses Vierteljahrhundert bei ProSiebenSat.1 und bin unendlich froh, dass ich den Großteil meines beruflichen Lebens hier verbringen durfte. Das größte Dankeschön geht an alle tollen Kollegen und Partner. Ich bin sehr stolz auf das, was wir gemeinsam geschaffen haben und die Programm-Meilensteine, die wir für unsere Sender sichern konnten: angefangen von `Vier Hochzeiten & ein Todesfall´ (einer meiner ersten Einkäufe) über die `Hunger Games´ bis zu `The Big Bang Theory´. Jetzt halte ich es aber wie einer unserer jüngsten Einkäufe: `Der Junge muss an die frische Luft´."

In einer persönlichen Abschieds-Mail an Freunde und Kollegen bedankt sich Böss außerdem bei seinen ehemaligen Chefs. Angefangen bei Georg Kofler, der ihn damals einstellte, über Urs Rohner, Ludwig Bauer, Guillaume de Posch, Thomas Ebeling und Conrad Albert - nur der aktuelle CEO Max Conze fehlt in Böss’ Aufzählung. In Richtung ehemaliger Geschäftspartner sagt Böss: "Ich bitte alle um Verzeihung, denen ich manchmal ein unangenehmer Verhandler war, aber ich habe immer nach dem Prinzip zu arbeiten versucht: Alle Seiten sollten aufrecht durch die Tür gehen können nach harten Ringen um Lizenzen, Geld, Verträge."

Böss hat bei ProSiebenSat.1 alle großen Veränderungen durchgemacht, von der geplanten Kirch-Übernahme bis hin zu Haim Saban, Permira und KKR, der vom Kartellamt blockierten Übernahme durch Axel Springer sowie die Ära Thomas Ebeling. "Es war oft eine nervenaufreibende Achterbahn-Fahrt", sagt der Mann, dem ProSiebenSat.1 so viel zu verdanken hat. Und Böss verspricht: "Nach einer Verschnaufpause melde ich mich wieder!"

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