Ein Sicherheitsmann der FPÖ hat auf äußerst rabiate Art und Weise den ORF-Satiriker Peter Klien daran gehindert, Parteichef Herbert Kickl Fragen zu stellen. Stattgefunden hat das schon am zurückliegenden Wochenende, als Klien bei Dreharbeiten auf dem Oktoberfest im steirischen Hartberg von Kickl unter anderem wissen wollte, wie das damals mit seinem Kuss mit der ehemaligen Grünen-Chefin Eva Glawischnig war. Glawischnig plauderte diese Jugendsünde vor einigen Wochen aus - zugetragen haben soll sich der Kuss als die beiden 14 Jahre alt waren. 

Kickl spricht grundsätzlich nicht mit Klien und lässt ihn meist links liegen, während der Satiriker auf seine Fragen keine Antworten erhält. Als Klien nun auf dem Oktoberfest einen neuen Versuch bei Kickl wagt, wird er kurz darauf von einem Sicherheitsmann in den Schwitzkasten genommen und unsanft beiseite geschafft. Als Klien es später noch einmal versuchen will, reagiert der Sicherheitsmann harsch und sagt: "Verschwinde. Dich will hier keine haben". 

Der ORF hat sich jetzt zu dem Vorfall geäußert und spricht von einem "völlig inakzeptablen Verhalten, das der ORF auf das Schärfste verurteilt". Der Sender spricht außerdem von einem "aggressiven Verhalten". Das ORF-Team hat den Vorfall allerdings auf Kamera - und so soll das Ganze auch am heutigen Freitag, den 6. Oktober, im Rahmen der von Klien moderierten Sendung "Gute Nacht Österreich" zu sehen sein. Von der FPÖ heißt es am Freitag via Pressemitteilung, Klien habe bei der Veranstaltung "stundenlang seiner Arbeit nachgehen" können, dabei sei er nicht behindert worden. 

"Es gibt aber Bereiche, in denen Medien generell nichts verloren haben. Dazu zählen neben der Bühne und dem Backstage-Bereich auch jener FPÖ-Bus, in den sich Herr Klien ohne Genehmigung Zutritt verschaffen wollte. Kein anderer der zahlreich anwesenden Medienvertreter kam auf die Idee, diesen Bus stürmen zu wollen. Wenn sich hier jemand aggressiv verhalten hat, dann ist es wohl eher Peter Klien", so FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker. Der Sicherheitsmann der FPÖ habe seine "Arbeit gemacht". Hafenecker vermutet hinter der Aktion und der Pressemitteilung des ORF den Versuch, Quote zu machen - das sei wohl "dringend notwendig". Die Quoten von "Gute Nacht Österreich" scheint Hafenecker nicht zu kennen: Am vergangenen Freitag kam die Sendung in ORF 1 auf 177.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, mit einem Marktanteil in Höhe von 18 Prozent lag das Format meilenweit über dem Senderschnitt - und ist so ein großer Erfolg.

"Der Volkskanzler möchte mit dem Volk nicht sprechen", erklärte Peter Klien nach Angaben der Tageszeitung "Die Presse" nach dem Vorfall in Hartberg. Kickl erklärtes Ziel ist es, eben ein solcher Volkskanzler zu werden. Im kommenden Jahr wird in Österreich ein neuer Nationalrat gewählt und die rechtspopulistische FPÖ liegt derzeit in allen Umfragen vorn.

Der Vorfall mit Peter Klien ist ein weiteres Beispiel für das Medienverständnis der FPÖ. Bei einer aktuellen Interview-Reihe mit den Chefinnen und Chefs der großen Parteien des Nachrichtensenders Puls 24, der zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehört, will die FPÖ nicht mitmachen. Die Absage zur Teilnahme wurde mit scharfen Worten begleitet. Puls 24 sei ein "linker Sender, der in der Vergangenheit den Kampf gegen die Inhalte und Positionen der FPÖ zu einer zentralen Aufgabe gemacht hat", erklärte FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker (DWDL.de berichtete).