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Meine Woche in Serie

"Lucifer" hat die Rettung durch Netflix gutgetan

 

"Lucifer" ist eine der Serien, die nach der Einstellung durch den bisherigen Sender von einem anderen gerettet wurden. In diesem Fall ist das gelungen, findet unsere Kolumnistin Ulrike Klode. Sie kennt aber auch Fälle, in denen eine solche Rettung schief ging.

von Ulrike Klode
15.06.2019 - 08:39 Uhr

Als die Nachricht kam, dass der US-Sender Fox "Lucifer" nach Staffel 3 einstellen will, dachte ich: Schade um Lucifer und schade um die anderen schönen Figuren (Amenadiel! Linda! Maze!). Aber ich dachte nicht: Schade um die tolle Serie. Denn das, was ich da in den 26 Folgen von Staffel 3 gesehen habe, ist mir nur als erzählerisches Durcheinander im Kopf geblieben. Phasenweise spannend und gut erzählt, aber ganz oft auch wirr mit Wendungen und Überraschungen, die nicht oder nur schlecht in der Geschichte verankert waren.

 

Kurz darauf - nach den mittlerweile fast schon obligatorischen Rettungsaufrufen von Fans und Beteiligten - trat Netflix als "Lucifer"-Retter auf den Plan. Und noch nicht einmal ein Jahr nach dem Ende der letzten Fox-Staffel wurde die erste Netflix-Staffel der Serie veröffentlicht (in Deutschland allerdings nur bei Amazon zu sehen). Weil ich, wie gesagt, die Figuren mag, habe ich reingeschaltet. Und wurde überrascht. Denn die Serie wirkte aufgeräumt, die Handlungen waren stringent erzählt. Es war gleichsam Platz für episodische Handlungen als auch für Folgen- und Staffel-übergreifende Handlungen. Beides passte gut nebeneinander, aber auch zueinander. Die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Handlungsbögen waren größtenteils logisch und klar erzählt. Denn ein Charakteristikum von "Lucifer" ist es, dass die Verbrechensfälle, in denen er mit einer Polizistin gemeinsam ermittelt, so gestaltet sind, dass er sie auf sich selbst beziehen kann. 

Die Netflix-Staffel hat 10 Folgen, die letzte Fox-Staffel hat 26 Folgen. Die Eigenheit der Serie - der Teufel als Narzisst, der in allen Ereignissen einen Bezug zu seinem eigenen Leben sieht - ist über 26 Folgen natürlich viel schwieriger durchzuhalten. Also immer wieder neue Fälle zu erfinden, für die man einen Anknüpfungspunkt an die übergreifenden Handlungsbögen finden kann, ist eine große Herausforderung. Zumal die übergreifenden Handlungsbögen eine Mischung aus "Kriegen sie sich - kriegen sie sich nicht" (Lucifer und Detective Chloe Decker) und überirdischen Geschichten ist, die nicht immer sehr elegant in Einklang gebracht wurden. Das 10 Folgen lang überzeugend hinzubekommen ist natürlich einfacher, als das über 26 Folgen zu strecken. Daher ist es im Grunde kein Wunder, dass die neue "Lucifer"-Staffel aufgeräumter und stringenter wirkt.

Ich freue mich, dass man in dieser vierten Staffel sehen kann, wie toll die Figuren sind - weil sie sich nicht in einem erzählerischen Durcheinander behaupten müssen, weil sie klare Geschichten bekommen, die Hand und Fuß haben, Entscheidungen, die zu ihren Charakteren und Entwicklungen passen. Und ich freue mich, dass es eine weitere Staffel geben wird, die aber die letzte sein soll. Auch sie wird hoffentlich wieder nur 10 Folgen haben. Denn: 10 Folgen lang gut erzählte Lucifer-Geschichte sind mir tausendmal lieber als 26 Folgen Lucifer in einem erzählerischen Chaos.  

Damit hat "Lucifer" Glück gehabt. Denn nicht immer ist es von Vorteil, wenn abgesetzte Serien "gerettet" werden. Zwei Beispiele: "Arrested Development" und "Community". Beides tolle Serien, die - wie ich finde - zu Recht Kultstatus genießen. Allerdings sind längst nicht alle Staffeln richtig gut. Auffallend ist hier: Die ersten paar Staffeln - die, die vor der "Rettung" entstanden sind - sind die grandiosen, genialen. Es sind die, mit denen sich die Serien ihren Kultstatus erarbeitet haben. Als die erste neue "Arrested Development"-Staffel nach der Einstellung veröffentlicht wurde, waren sieben Jahre vergangen, in denen sich in der Serienwelt viel verändert hatte. Natürlich schalteten die Fans 2013 begeistert Staffel 4 auf Netflix ein, aber bei vielen - darunter auch mir - sprang der alte Funke nicht über. Und dass weitere fünf Jahre später Staffel 5 veröffentlicht wurde, hat für kein großes Aufsehen mehr gesorgt (hier der Link zu einem aufschlussreichen Ranking aller "Arrested Development"-Folgen). "Community" ist ein ähnlicher Fall: Die NBC-Staffeln 1, 2, 3 und 5 sind wirklich sensationell (über die Dan-Harmon-freie Staffel 4 reden wir hier jetzt mal nicht), aber Staffel 6, die für die mittlerweile eingestellte Streamingplattform Yahoo Screen produziert und 2015 veröffentlicht wurde, kommt in meinen Augen da einfach nicht ran. Vielleicht waren die Erwartungen nach der geglückten Rettungskampagne zu hoch - oder vielleicht war nach fünf Staffeln auch einfach die Luft raus. Ich weiß es nicht. Genausowenig weiß ich, ob es tatsächlich einen ursächlichen Zusammenhang gibt zwischen Rettung und abfallender Qualität. 

Ein Beispiel habe ich noch zum Schluss: "Designated Survivor". Nachdem ABC die Serie nach zwei Staffeln abgesetzt hat, hat Netflix eine dritte Staffel produzieren lassen, die Anfang Juni veröffentlicht wurde. Ich habe dieser Staffel erst gar keine Chance gegeben, weil ich von der Qualität der zweiten Staffel enttäuscht war. Aber ein DWDL-Kollege antwortete mir, als ich mein Thema für die Kolumne in dieser Woche ankündigte: "Bei 'Designated Survivor' hat das auch geklappt. Da besser zu sein als Staffel 2 war aber auch nicht schwer."  

Alle vier Staffeln von "Lucifer" sind in Deutschland bei Amazon Video (Prime) zu sehen.

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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