Nach einem Jahr Pause beim Eurovision Song Contest stand am Samstag eine neue Ausgabe des Musikwettbewerbs auf dem Programm. In der Ahoy Arena in Rotterdam fanden sich dazu sogar rund 3500 vorher negativ auf Corona getestete Zuschauer ein; etliche weitere Menschen verfolgten das Musikspektakel vor den Fernsehbildschirmen. Am Ende landete Künstler Jendrik auf Platz 25 - und die Übertragung des ESC im Ersten bei der niedrigsten Reichweite seit 2008. Erst nach 22 Uhr nahm das ESC-Fieber in Deutschland nämlich zusehends an Fahrt auf – zuvor gingen viele nämlich noch auf Mörderjagd bei einem neuen "Wilsberg"-Krimi, der im ZDF auf sagenhafte 8,11 Millionen Zuschauer kam. Wenngleich der damit einhergehende Tagessieg überraschend ist, ist eine Vergleichbarkeit der Reichweiten wegen der unterschiedlichen Sendelänge nicht gegeben.

Der Eurovision Song Contest lief schließlich zwischen 21 und ein Uhr vor durchschnittlich 6,54 Millionen Zuschauern im Ersten. Zum Vergleich: Zwischen 2017 und 2019 erzielten die ESC-Finals recht stabile Werte, lagen damals bei zwischen 7,6 und knapp 7,8 Millionen Zuschauern. 26,7 Prozent Marktanteil wurden in diesem Jahr insgesamt ermittelt. Sogar 37,4 Prozent waren es bei den 14- bis 49-Jährigen und damit knapp fünf Prozentpunkte weniger als 2019. Das sind aber nur auf den ersten Blick klare Rückgänge. Bei der genauen Betrachtung kommt nämlich One ins Spiel. Der Spartensender übertrug den Eurovision Song Contest ebenfalls, blendete neben dem klassischen TV-Bild aber auch noch Kommentare von Usern aus der Twitter-Welt ein.

In Zeiten, in denen Rudelgucken daheim pandemiebedingt nicht möglich war, war das vielen Zuschauern wohl eine willkommene Alternative. Bei One nämlich sicherte sich der ESC 1,20 Millionen Zuschauer. 4,9 Prozent Marktanteil standen für den Sender ab 21 Uhr im Schnitt beim Gesamtpublikum zu Buche. Bei den 14- bis 49-Jährigen kam One sogar auf rekordverdächtige 7,8 Prozent Marktanteil – und überholte damit ganz nebenbei große Privatsender wie ProSieben und RTL. Am späteren Abend schob sich One in dieser Altersklasse schließlich sogar auf Platz zwei vor, und war somit die populärste Alternative zum Ersten. Unter dem Strich also war der ESC bei den Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren mit über 45 Prozent Marktanteil letztlich sogar stärker unterwegs als vor zwei Jahren.

Begonnen hatte die ESC-Party im Ersten derweil schon um 20:15 Uhr – die Vorberichte erreichten 4,08 und 4,33 Millionen Zuschauer ab drei Jahren sowie rund eine halbe Million weiterer Fans bei One. Traditionellerweise wurde der "Countdown" mit Barbara Schöneberger aber auch diesmal wieder von einem "Wort zum Sonntag" unterbrochen. 3,95 Millionen Menschen sahen die rund zwei Minuten lange Sendung ab 20:45 Uhr im Ersten. Starke Quoten gab es für den Sender schließlich auch noch ab kurz vor ein Uhr, als die Aftershow zum ESC beim Verdauen des 25. Platzes für Jendrik half. Zu diesem Zeitpunkt lag der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen noch immer bei starken 31,4 Prozent, insgesamt blieben 2,37 Millionen Menschen dran.

Wenig überraschend also ist die absolute Dominanz des Ersten am Samstag. 21,3 Prozent Tagesmarktanteil sicherte sich der Sender bei den 14- bis 49-Jährigen, rund dreieinhalb Mal so viel wie RTL auf Platz zwei. Die Kölner mussten mit vergleichsweise schwachen sechs Prozent Vorlieb nehmen. ProSieben kam gar nur auf 5,5 Prozent. Bei allen Zuschauern siegte Das Erste mit 17,9 Prozent vor dem ZDF (13,2%). Stärkster Privatsender im Gesamtmarkt war RTL mit fünf Prozent.