Ein Gastbeitrag von Laura Machutta, Geschäftsführerin Constantin Film Produktion GmbH. Sie ist Stellvertretende Vorsitzende der Sektion Fernsehen und Mitglied im Gesamtvorstand der Produktionsallianz.

Fair miteinander umgehen

Die Fernsehbranche hat sich immer wieder neu erfunden – durch Innovation, durch Zusammenarbeit, manchmal auch durch schmerzhafte Lernprozesse. Ob große Event-Produktionen, langlaufende Serien oder der rasante Umbruch durch KI: Unser Medium bleibt ein Ort, an dem sich die Gesellschaft spiegelt.

Warum unabhängiger Rundfunk gerade jetzt zählt

Die aktuelle politische Lage, die letzten Wahlergebnisse – sie machen deutlich, wie wichtig die Arbeit der Medien – insbesondere des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – für die Demokratie und die Offenheit unseres Landes ist. Die Geschichte dieses Landes hat uns klar gezeigt, dass wir den Wert eines unabhängigen, vielfältigen und verantwortungsbewussten Rundfunks niemals aus den Augen verlieren dürfen. Im Serienfinale von „Babylon Berlin“, einer ARD-Produktion der Firma X-Filme Creative Pool zusammen mit Sky und Beta Film, wird das auf beklemmende Weise greifbar. Genau solche Produktionen, die Geschichte und gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen, brauchen wir. Damit nicht die Lauten, sondern die Vernünftigen das gesellschaftliche Klima prägen. Bitte lasst uns weiterhin Serien und Filme wie diese produzieren und fördern!

Fair, transparent und auf Augenhöhe

Damit dieser Auftrag gelingt, braucht es ein respektvolles Miteinander in den Produktionen. Die Zusammenarbeit zwischen Filmschaffenden, Produktionsfirmen und Sendern muss fair, transparent und wertschätzend sein. Der offene und konstruktive Austausch – besonders über reale Zahlen und Budgets – ist heutzutage die Voraussetzung für gute und ehrliche Arbeit. Gemeinsam mit der ARD haben wir als TV-Vorstand Anfang des Jahres neue Eckpunkte für die Zusammenarbeit veröffentlicht. Mit dem ZDF arbeiten wir aktuell an einer Neuauflage der „Terms of Trade“. Solche Vereinbarungen unterstreichen, dass wir nicht nur Standards schriftlich fixieren, sondern diese auch partnerschaftlich und offen diskutieren und anwenden. Lasst uns den Dialog fortführen und auch in schwierigen Zeiten transparent und offen über Realitäten sprechen.

Wo Deutschland als Produktionsstandort verliert

Was mir aktuell besonders Sorgen macht, ist die derzeitige Förderpolitik. Die Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird erschwert, davor internationale Auftragsproduktionen bevorzugt. Ich befürchte, dass dies zwangsläufig dazu führen wird, dass wir deshalb immer häufiger ins Ausland ausweichen müssen – und somit nicht für die so dringend notwendige Wertschöpfung in Deutschland sorgen. Wir würden dies nicht aus kreativer Überzeugung tun, sondern weil wir aus finanziellen Gründen dazu gezwungen sind. Bei jeder unserer eigenen Produktionen gehen wir das Finanzierungsmodell Schritt für Schritt durch – und manchmal steht ein Projekt auf der Kippe, weil das nötige Geld in Deutschland fehlt. 

Es geht auch anders: So z.B. bei unserem historischen Film „Zeit der Wunder – das Tafelsilber der deutschen Einheit“, den wir aktuell mit dem ZDF produzieren. Gemeinsam mit dem ZDF und dank der Zusammenarbeit mit drei Länderförderungen konnten wir die Produktion in Deutschland realisieren – in Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern - mit einem engagierten und kreativen Team unter der Regie von Andreas Kleinert, nach einem Drehbuch von Silke Zertz. Produzentin ist Kathrin Bullemer. Es ist eine Geschichte über die deutsche Wiedervereinigung, die auf wahre Begebenheiten beruht, und solche Geschichten gehören hierher, nicht ausgelagert. Sie sichern auch Arbeitsplätze vor Ort. Die Kreativität ist da, die Filmschaffenden sind da – was fehlt, sind die richtigen Rahmenbedingungen.

Über Fehler sprechen 

Ein Punkt liegt mir noch besonders am Herzen: Bei der Constantin hat die Selbstkritik und das offene Sprechen über Fehler und Schwächen viel bewegt. Gemeinsam mit unseren Vertrauenspersonen haben wir einen „Code of Conduct“ entwickelt, der nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch gelebt wird. In Workshops vor und nach der Produktion sprechen wir offen darüber, falls etwas schiefgeht. Nicht, um Verantwortung abzuschieben, sondern um gemeinsam daraus zu lernen und besser zu werden. Denn nur so wächst echtes Vertrauen und eine wertschätzende Zusammenarbeit. 

Diese Haltung wünsche ich mir für die ganze Branche – und auch für die Politik. Fehler zu verstecken bringt niemanden weiter. Sie anzuerkennen und daraus etwas zu machen, schon. 

Offen über Fehler zu sprechen, daraus gelerntes und auch nötige Strukturreformen anzuschieben, ist für die Film- und Fernsehbranche, für Produktionsfirmen, Sender und Politik gleichermaßen wichtig. Es ist der Schlüssel für Verbesserungen – und für die Möglichkeit, gemeinsam neue Wege zu gehen. 

Sehen wir Fehler nicht als Schwäche, sondern als Anfang von etwas Besserem.