Saisonbilanz 2018/19 - RTL © DWDL
Saison-Bilanz 2018/19

RTL: Zwei Glücksgriffe - aber die Problemzonen bleiben

 

RTL bewies in Sachen Fußball ein glückliches Händchen, im Show-Bereich gelang gar einer der erfolgreichsten Neustarts der letzten Jahre. Doch der Nachmittag stellt ein nach wie vor ungelöstes Problem dar - und bei den Serien scheint es mit jedem Schritt vorwärts zwei zurück zu gehen.

von Uwe Mantel
18.06.2019 - 08:30 Uhr

Blickt man allein auf die Entwicklung des Senderschnitts im Lauf dieser Saison, dann muss man RTL eine rundum solide Saison attestieren. In vier der neun Monate zwischen September und Mai, die wir für unsere Bilanzen betrachten, lag RTL über dem Senderschnitt, in vier darunter. Zusammengenommen schnitt der Sender minimal besser ab - der Rückgang der Vorsaison hat sich also nicht fortgesetzt, die Marktführer-Position war ein weiteres Jahr nie in Gefahr. Auffällig dabei: Während der Herbst etwas schwächer lief als im Vorjahr, lag RTL im Frühjahr teils deutlich über den Vorjahreswerten.

Beim Frühjahrs-Aufschwung hat RTL ein echter Glücksgriff geholfen: Der Erwerb der Europa-League-Rechte. Wobei es natürlich nicht nur Glück war, sondern auch die richtige Einschätzung, dass nach dem Verschwinden der Champions League ins Pay-TV und der dadurch geringeren Schlagzahl des rollenden Balls im Free-TV für diesen zuletzt nur beim kleineren Sport1 laufenden Wettbewerb wieder höhere Zuschauerzahlen drin wären. Dabei spielte die Mediengruppe RTL ihre Vorteile als Sendergruppe voll aus und zeigte die ersten Spiele zunächst beim kleineren Nitro, ehe man später zu RTL wechselte. Dass Eintracht Frankfurt eine so glänzende Europa-League-Saison hinlegte, war dann das nötige Quäntchen Glück. Die nach der bei ARD und ZDF laufenden Nations League im neuen Jahr endlich gestartete EM-Quali tat mit ihren gewohnt hohen Quoten ihr Übriges, um die RTL-Marktanteile im Frühjahr steigen zu lassen.

Ansonsten konnte sich RTL auf seine langlaufenden Dauerbrenner verlassen. "Supertalent" lief stabil gut, "DSDS" sogar etwas besser, "Let's Dance" holte gar die höchsten Zielgruppen-Marktanteile seit acht Jahren. "Wer wird Millionär" legte ebenfalls zu - und nachdem das Quiz zwischenzeitlich bei den jüngeren Zuschauern schonmal ein Sorgenkind war, liegt es nun auf einmal wieder weit über dem inzwischen eben deutlich gesunkenen Senderschnitt. Auf "Bauer sucht Frau" bleibt ebenso Verlass wie auf das Ausnahme-Format Dschungelcamp und auf den "Bachelor". Wichtigstes Pfund von RTL bleibt aber "GZSZ", das das ganze Jahr über am Vorabend an die 20 Prozent Marktanteil garantiert und nicht selten mehr junge Zuschauer zählt als das erfolgreichste Primetime-Programm.

Die eigentlich spannende Frage nach einer Saison ist aber, ob RTL bei seinen Problemfeldern der letzten Jahre vorangekommen ist und was der Sender denn an neuen Erfolgen aus dieser Saison mitnehmen kann, auf denen sich weiter aufbauen lässt. Und da fällt die Bilanz schon etwas durchwachsener aus.

Problemfeld 1: Die Serien

Im vergangenen Jahr konnte RTL noch stolz verkünden, sich komplett von US-Serien freigemacht zu haben. In Sachen serieller Fiction hat man sein eigenes Glück nun also komplett selbst in der Hand - und musste feststellen, dass dieser Weg keinesfalls einfacher ist. RTL verzichtete auch in der Saison 2018/19 komplett auf serielle US-Ware, was nur leider nicht mit einem eigentlich dann notwendigen weiteren Ausbau der Eigenproduktionen einher ging. Im Gegenteil: Obwohl RTL den Dienstag- und Donnerstagabend durchgehend mit deutschen Serien bespielt, war eigentlich allenfalls Material genug für einen der beiden Abende vorhanden. Das führte dazu, dass RTL beispielsweise dienstags den ganzen Herbst nur Wiederholungen anzubieten hatte, auch verpasste man es schon wieder, einen Begleiter für "Alarm für Cobra 11" zu produzieren. Und von der Möglichkeit, an diesen Tagen auch mal andere Genres einfließen zu lassen - wie man es im letzten Sommer mal mit den Sozialexperimenten am Dienstagabend getan hat, machte RTL trotz zwischenzeitlicher Pläne dann doch keinen Gebrauch.

Am Ende dieser Saison bleibt jedenfalls eine ernüchterndere Bilanz als ein Jahr zuvor. Neu gestartet wurden zwei Serien. "Die Klempnerin" ist aufgrund der schwachen Quoten schon wieder Geschichte, "Nachtschwestern" läuft bislang mit im Schnitt 11,5 Prozent halbwegs solide - macht aus dem "GZSZ"-Vorlauf aber eigentlich auch nicht genug. Zudem funktionierte das Zusammenspiel mit "Sankt Maik" gar nicht. Der einzige halbwegs erfolgreiche Neustart der Vorsaison musste daher in Staffel 2 auch noch Federn lassen und liegt nun unter Senderschnitt. Die Hoffnung auf steigende Quoten in einer zweiten Staffel haben sich auch bei "Beck is back" nicht erfüllt. Da es dort nicht voran ging, steht das Aus nun schon fest. "Jenny - echt gerecht" verschob man bis ins Sommerprogramm, die Probe aufs Exempel steht hier also noch aus.

Und weil "Alarm für Cobra 11" im Frühjahr die Konkurrenz durch die "Topmodels" und im Herbst durch "The Voice" weiter zu schaffen macht, bleibt der einzige durchschlagende Erfolg weiterhin "Der Lehrer" - allerdings auch dort mit rückläufigen Werten. Ob der Abgang der weiblichen Hauptfigur der Serie schadet, ist nun zudem die spannende Frage für kommende Saison. "Magda macht das schon" verlor erneut deutlich an Boden, hielt sich aber über Senderschnitt, unter "Beste Schwestern" zog RTL einen Schluss-Strich. Auch im Comedy-Bereich ist das aktuelle Portfolio somit sehr dünn. Anfang des Jahres durfte sich auch noch Ralf Schmitz mit der Sketch-Comedy "Schmitz & Family" mal dazugesellen, die Quoten waren aber recht unspektakulär. Deutlich besser lief es da schon für die Impro-Comedy "Hotel Verschmitzt", die RTL allerdings auch im "Supertalent"-Schlepptau zeigte. Sie machte ihre Sache dort ordentlich - war aber kein Vergleich zur weiterhin geradezu unglaublich erfolgreichen Datingshow "Take me out", die ebenfalls von Ralf Schmitz präsentiert wird. Trotzdem: Der Versuch, Ralf Schmitz stärker zur Geltung zu bringen, war eines der gelungenen RTL-Vorhaben der letzten Saison.

Problemfeld 2: Der Nachmittag

Die zweite große Baustelle im RTL-Programm ist ohne Frage der Nachmittag. Das erklärte Ziel ist es, sich hier von Scripted Reality zu trennen. Dass man gerade in dieser Woche wieder "Meine Geschichte - Mein Leben" ins Programm nahm und das Gerichtsshow-Genre wiederbelebte, belegt schon, wie weit man hier gekommen ist. Auf der Haben-Seite kann man die "Superhändler" verbuchen. So erfolgreich wie "Bares für Rares" im ZDF sind die RTL-Trödler zwar nicht, doch ordentliche Quoten sind inzwischen die Regel. Ansonsten reihte sich Flop an Flop. Selbst Formate, die zwischenzeitlich mal wirkten, als hätten sie Potential - wie "Auf fremden Sofas" und "Mensch Papa" - fielen im zweiten Anlauf doch noch durch. "Hol dir die Kohle", "Vorher Nachher" oder auch die neue tägliche Serie "Freundinnen" blieben stets unterm Soll. Dem ersten Schritt in die richtige Richtung folgte bislang also kein zweiter.

Auch das seit vielen Jahren brachliegende Wochenend-Nachmittagsprogramm versuchte RTL mit nicht allzu viel Fortune aufzumöbeln. Hängen bleibt eigentlich nur "Schätze aus Schrott", das RTL in Wiederholungen auch nochmal im Zusammenspiel mit den "Superhändlern" testete - weil das trotz Wiederholungen nicht zu schlecht lief, hat RTL hier die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Megaflops waren hingegen Formate wie "Hauptsache süß" und "Unsere schönste gemeinsame Wohnung". "Ran an den Rasen" lief da schon deutlich besser, scheiterte aber trotzdem noch knapp an der 10-Prozent-Marke. Nach vorne bringen kann das alles einen Sender wie RTL nicht.

Und was bleibt sonst noch von dieser Saison?

Der größte Hit unter den Neustarts lief bereits im Sommer vergangenen Jahres an und wurde in diesem Frühjahr veredelt: Es ist "Denn sie wissen nicht, was passiert - Die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show". Nach einem etwas holprigen Beginn, entwickelte sich die Sendung nicht nur inhaltlich zum Volltreffer, sondern legte auch in Sachen Marktanteil Stück für Stück zu. Die Umstellung auf eine Live-Show tat ihr übriges - auch wenn RTL kurioserweise erst einen Weckruf brauchte, um überhaupt richtig zu bemerken, welche Perle man da im Programm hat.

Der Plan, das mit "Ninja Warrior Germany" so erfolgreich eingeführte Physical-Gameshow-Genre weiter auszuweiten, ging hingegen nicht auf. "Showdown - Die Wüstenchallenge" lief am späteren Abend zwar solide - doch empfahl sich damit trotzdem nicht unbedingt für eine Beförderung in die Primetime, was angesichts der Produktionskosten aber notwendig wäre. Der Moderator hat sich ohnehin schon zu ProSieben abgesetzt. Zudem konnte "Big Bounce" die Traumquoten des Vorjahres nicht halten, blieb aber gleichwohl ein Erfolg. Für den späteren Abend produzierte RTL noch eine ganze Reihe weiterer Shows (und das sei an dieser Stelle mal lobend erwähnt: Ist damit deutlich aktiver als die Privatsenderkonkurrenz), doch ob "Stars im Spiegel", "Darf er das?" oder "Die Witze-Arena" - durchschlagender Erfolg war keinem dieser Formate vergönnt, meist liefen sie ordentlich, aber eben auch nur, weil der Vorlauf entsprechend stark war. Vermutlich hätte man auch einfach wieder "Upps - die Pannenshow" zeigen können, um auf ähnliche Werte zu kommen. Ebenfalls erst spät gezeigt hat man die Pilotfolge von "Jenke über Leben", was recht gut funktionierte.

Als völliger Fehlschlag erwies sich der Versuch, ProSiebens Topmodels mit "Sylvies Dessous-Models" nachzueifern. Die nur dreiteilige Staffel ging komplett unter. Im Gedächtnis bleibt nur das womöglich ehrlichste Interview, das Sylvie Meis je gegeben hat. "Hund vs. Katze" wurde nach mauem Auftakt in den späteren Abend verbannt und blieb auch dort blass. Etwas mehr frischen Wind hätte RTL auch am Sonntagvorabend gebrauchen können, wo der Sender einst so dominierte, sich inzwischen aber häufig von Sat.1 den Schneid abkaufen lässt. "Vermisst" etwa hat dort inzwischen mit spürbaren Problemen zu kämpfen, "Schwiegertochter gesucht" hat die bislang schwächste Staffel hinter sich. Martin Rütters "Die Welpen kommen" startete zwar immerhin ganz okay - würde man aber eigentlich eher bei Vox verorten. Ein Fehlschlag war hingegen "Lego Master" Ende vergangenen Jahres, das als Familien-Show nochmal eine neue Farbe auf den Sendeplatz hätte bringen können.

Spannend an dieser Saison: Um den aufgemöbelten Streaming-Dienst "TV Now" zu pushen, musste RTL schon das ein oder andere Mal zurückstehen. "Temptation Island" etwa versendete man am späten Sonntagabend, weil man die Zuschauer zu TV Now holen wollte. Auch das in der Vorsaison noch zum großen Event aufgeblasene "Adam sucht Eva" fand sich in der linearen Ausstrahlung plötzlich am sehr späten Abend wieder. Das ist aus strategischer Sicht sicher sinnvoll, macht RTL das Leben aber nicht einfacher. Doch bis auf weiteres bereiten die weiter ungelösten Baustellen am Nachmittag und im Serien-Programm wohl ohnehin das größere Kopfzerbrechen.

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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