DAZN unternimmt immer mehr, um schwarze Zahlen zu schreiben und hinter Sky stehen ganz grundsätzlich große Fragezeichen. Bei den beiden Pay-TV-Platzhirschen im Sport-Bereich sitzt das Geld schon länger nicht mehr locker, das ist klar. Das könnte in den kommenden Monaten auch Auswirkungen auf die Bundesliga haben. Die DFL steckt aktuell mitten in den Vorbereitungen auf die kommende Rechteausschreibung, auch das Bundeskartellamt ist involviert. Das eigentliche Bieterverfahren steigt im ersten Halbjahr 2024. 

DFL-Chef Steffen Merkel hat nun aber in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa auf die schwierige Lage im Medienmarkt verwiesen. Sky und DAZN machen aktuell rund 80 Prozent der Liga-Einnahmen aus. "Wir finden für die Ausschreibung nicht das allereinfachste Marktumfeld vor, das will ich gar nicht verhehlen", sagt Merkel gegenüber der dpa. Der Verkauf der nationalen Medien-Rechte "ist so wichtig, weil die Ergebnisse dieser Ausschreibung natürlich so wahnsinnig weitreichend sind", so Merkel. Sie "geben den Rahmen wirtschaftlich vor fast bis ins nächste Jahrzehnt". 

Ausgeschrieben werden die Bundesliga-Rechte ab der Saison 2025/26 bis zum Ende der Saison 2028/29. Anders als bei der vergangenen Ausschreibung Anfang 2020 müssen sich die Liga-Verantwortlichen jetzt zwar nicht mehr mit einer globalen Pandemie auseinandersetzen, die wirtschaftlichen Probleme der TV-Sender sind aufgrund von Krieg, Inflation und Werbezurückhaltung der Unternehmen aber nicht unbedingt kleiner geworden. Auch deshalb ist völlig unklar, wohin die Reise für die DFL geht. Angesichts dessen versucht sich Merkel nun im dpa-Gespräch wohl auch in Erwartungsmanagement gegenüber den Klubs, die natürlich immer auf noch mehr Geld hoffen. 

Ob die Liga aber tatsächlich ein Plus gegenüber dem aktuellen Vertrag heraushandeln kann, ist zumindest fraglich. Bei der Ausschreibung 2020 gab es erstmals einen kleinen Rückgang, damals nahm Corona aber wie erwähnt erstmals groß Fahrt auf - außerdem steigerte die Liga ihre Einnahmen 2016 um satte 85 Prozent. Eine solche Steigerungsrate bezeichnet Merkel jetzt als "kein realistisches Ziel". Eine genaue Prognose will er gegenüber der dpa aber nicht abgeben. 

Italien zeigt, wie hart das Geschäft geworden ist

Dass die Fußball-Einnahmen aus den TV-Rechten nicht endlos in den Himmel wachsen, kann man aktuell auch im Ausland beobachten. In Italien hatten Vertreter der Serie A die Angebote von Sky, DAZN und Mediaset als zu niedrig abgewiesen. Es sollte nachverhandelt werden, noch gibt es aber keine Lösung. Auch die Gründung eines eigenen Kanals durch die Liga steht mittlerweile im Raum - möglicherweise auch, um die klassischen TV-Partner ein wenig unter Druck zu setzen (DWDL.de berichtete). "Dass andere Ligen in ihren Heimatmärkten wie in Italien an ihre Grenzen stoßen, das hat sich mittlerweile herumgesprochen", sagt DFL-Geschäftsführer Merkel.

Der DFL-Chef beobachtet bei einigen Partnern "personelle, organisatorische, strukturelle Neuordnungen, die ein Jahr vor der Ausschreibung noch nicht komplett absehbar sind für uns." Damit meint er wohl vor allem Sky Deutschland, das bekanntlich verkauft werden soll und sich in einer Art Schwebezustand befindet. Zuletzt hatte der Pay-TV-Anbieter angekündigt, nicht mehr in eigenproduzierte Fiction zu investieren. Ob Geld für die kommende Bundesliga-Ausschreibung da ist, dürfte nicht zuletzt auch an der Haltung des Mutterkonzerns Comcast liegen. Und welche Pläne der US-Konzern mit Sky Deutschland hat.

Mehr zum Thema