Seit mehreren Wochen ist nun klar, dass das Grimme-Institut in eine erhebliche finanzielle Schieflage geraten ist und vor deutlichen Einschnitten steht - doch von den Gesellschafter, die das gemeinnützige Insitut tragen, war dazu bislang öffentlich nichts zu vernehmen. Stattdessen war es immer Hörensagen, was die Einsparpläne angeht. Nun hat sich NRW-Medienminister Nathanael Liminski beim Deutschlandfunk-Medienmagazin "@mediasres" erstmals ausführlicher zur aktuellen Lage geäußert.
Der gab dort zunächst mal ein Bekenntnis zur Bedeutung des Grimme-Instituts ab, das aus seiner Sicht "selten notwendiger war als jetzt in dieser Zeit". Da die Gesellschafter in der aktuellen wirtschaftlichen Lage aber nur begrenzt mehr Geld zuschießen könnten, brauche es "eine Fokussierung auf seine Kernaufgaben". Und die liegen aus seiner Sicht nicht in den Bereichen Medienbildung und Medienforschung.
"Das Wichtigste ist, dass Grimme seinen Auftrag da erfüllt, wo die Menschen in der Öffentlichkeit das erwarten. Das ist die Auszeichnung von besonders herausragenden journalistischen und medialen Produkten. Deswegen spielen die Preise, sowohl der klassische Grimme-Preis als auch der Grimme Online Award, eine ganz zentrale Rolle."
Diese Äußerungen lassen schon deshalb aufhorchen, weil erst zu Beginn der Woche durch ein Schreiben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts öffentlich wurde, dass die Verleihung des Grimme Online Awards kommendes Jahr nicht wie gewohnt stattfinden kann. Eigentlich hätte schon im Januar die Einreichungsphase begonnen, die es so nicht geben wird. Womöglich soll es eine Verleihung in kleinerem Rahmen in der zweiten Jahreshälfte geben.
Laut Liminski ist das letzte Wort hier noch nicht gesprochen: Noch sei nicht entschieden, wie man letztlich mit den Preisen umgehen werde. "Es ist gemeinsame Auffassung im Gesellschafterkreis, dass die Preise für uns Priorität haben", so Liminski. Die Prüfung, ob und wo man an anderer Stelle weiter sparen könne, sei ein noch laufender Prozess. Gespart werden soll offenbar an den Bereichen Forschung und Medienbildung. "Medienforschung findet in Deutschland auch an anderer Stelle statt, kulturelle Arbeit findet auch an deren Stellen statt, dafür gibt es auch andere Träger. Das allerdings, wofür nur Grimme steht, das ist Qualitätsauszeichnung von journalistischen und medialen Produkten. Deshalb muss Grimme hier auch in Zukunft seine Aufgabe erfüllen können", so der NRW-Medienminister.
Das Land NRW hält nur zehn Prozent der Anteile am Grimme-Institut, trägt aber bislang schon einen deutlich höheren Anteil der Kosten. Auch den Verlust 2023 werde man ausgleichen. Dass die Gesellschafter unterschiedlich stark engagiert seien, sei erstmal nicht ungewöhnlich. "Es muss aber auf lange Strecke ein Gleichgewicht gewahrt bleiben. Deswegen ist es uns als Land so wichtig, dass strukturelle Probleme nicht dadurch gelöst werden, dass man gegenüber dem Land die Hand aufhält." Auch im Sinne der Staatsferne sei es wichtig, dass Grimme "nicht allein eine Veranstaltung staatlicher Instanzen" sein könne, "das wäre der Glaubwürdigkeit nicht zuträglich", so Liminski weiter.
Grundsätzlich sei es jedenfalls Aufgabe der Geschäftsführung sicherzustellen, dass sich das Institut so aufstelle, dass es seine Aufgaben mit den Mitteln erfüllen könen, die die Gesellschafter bereitstellen - was wohl auch als Kritik an der jetzigen Instituts-Leiterin Frauke Gerlach zu verstehen ist. Sie hat schon angekündigt, nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen und wird das Institut somit im kommenden Jahr verlassen. Eine weitere Hausaufgabe für die Gesellschafter ist nun also auch, eine neue Institutsleitung zu finden.
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