Als Mitte November Ebelings Äußerungen übers Publikum der TV-Sender ("ein bisschen fettleibig, ein bisschen arm") seines Konzerns die Runde machen, war er nach wenigen Tagen nicht mehr auf dem CEO-Posten bei ProSiebenSat.1 zu halten. Er musste aber nicht sofort gehen, sondern durfte bis zur Vorstellung des Jahresabschlusses 2017 am heutigen Donnerstag bleiben. Und in dieser Zwischenzeit haben sich die Meldungen für Ebeling tatsächlich deutlich aufgehellt: Das Werbegeschäft zog an, der Aktienkurs ebenfalls, für das Commerce-Geschäft wurde ein Investor gefunden, zudem ermittelte eine Kommunikationsagentur gerade erst, dass er der DAX-CEO mit dem besten "Total Shareholder Return" war.

Insofern konnte am Donnerstag in Unterföhring tatsächlich ein mit sich selbst zufriedener Ebeling seinen Abschied nehmen. "Ich glaube, dass wir inhaltlich, strategisch nicht viel falsch gemacht haben", ließ er an seinem letzten Tag bei ProSiebenSat.1 etwa wissen. Natürlich hätte man einige Dinge in der Umsetzung besser machen können, vor allem aber in der Kommunikation nach außen - aber er meine, dass man in jedem Fall "mehr Dinge richtig als falsch" gemacht habe. "Die Ergebnisse geben uns recht", so Ebeling.

"Ich gehe überhaupt nicht mit Wehmut, ich gehe mit Freude", sagte der scheidende CEO. Freude empfinde er vor allem, weil das Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt sei und verwies etwa auf die Investitionen in AdTech-Firmen und die gute Entwicklung des Commerce-Geschäfts. Dass das klassische TV-Geschäft in letzter Zeit eine weniger glorreiche Entwicklung durchmachte, kam da lieber nicht zur Sprache.Die Medien werde er jedenfalls als "sehr interessante Branche" in Erinnerung behalten.

Auf die kommende Zeit freue er sich. "Mal morgens aufwachen, ohne auf die Quoten zu gucken" und endlich nicht mehr im Hotel zu wohnen, sei ein klarer Zugewinn an Lebensqualität. Er wolle nun erstmal zeitlich und geographisch flexibel bleiben und "möglichst viele unterschiedliche Sachen" machen, möglichst im unternehmerischen Bereich - ein neuer CEO-Posten bei einem großen Konzern scheint also erstmal nicht zu seinem Plan zu gehören. Eine Rückkehr zu ProSiebenSat.1, etwa in den Aufsichtsrat, strebe er nicht an. "Man soll niemals nie sagen", fügte er zwar an, auch wenn er im Guten ausscheide, sei es aber sicherlich nicht sein Plan, in anderer Funktion in naher Zukunft zurückzukehren.

In die Suche nach seinem Nachfolger sei er nur "peripher involviert" gewesen - mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden. Dass mit dem früheren Dyson-Chef Max Conze nun wieder ein Manager übernimmt, der keine Erfahrungen mit der Medienbranche mitbringt, sieht er erwartungsgemäß nicht als Problem - schließlich wechselte er einst aus der Pharmabranche. "Wir haben ein sehr starkes Team - und wenn man dann von außen jemanden dazu kriegen kann mit so einem fantastischen Performance Track Record, der auch Skills abdeckt, die das Team in der Tiefe noch nicht hat, dann kann daraus eine wunderbare Symbiose entstehen", so Ebeling. Und auch wenn Max Conze noch nicht anwesend war, weil er den Posten erst am 1. Juni übernimmt: Seine Schatten warf er schon voraus. Zu Ebelings Abschied gab's nämlich: Dyson-Staubsauger.

 

 

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