Thomas Ebeling © ProSiebenSat.1
Abschied im Februar 2018

Nach DWDL.de-Bericht: Ebeling verlässt ProSiebenSat.1

 

Die Luft für den ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzenden ist zuletzt immer dünner geworden, nun ist es offiziell: Thomas Ebeling verlässt den Konzern Ende Februar 2018. Ein Nachfolger soll zu gegebener Zeit benannt werden, Conrad Albert steigt zum Vize-Vorstandsvorsitzenden auf.

von Timo Niemeier
19.11.2017 - 19:20 Uhr

ProSiebenSat.1 und Thomas Ebeling gehen getrennte Wege. Der Vorstandsvorsitzende wird das Unternehmen nach der für den 22. Februar 2018 angesetzten Bilanzpressekonferenz verlassen, das hat der Medienkonzern nun bekanntgegeben. Die Trennung erfolge einvernehmlich. Ebelings Nachfolger ist noch nicht bekannt und soll zu gegebener Zeit benannt werden. Gleichzeitig wurde Conrad Albert (Vorstand External Affairs & Industry Relations) zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt.

Ebeling hatte noch einen Vertrag bis Mitte 2019, geriet in den vergangenen Tagen allerdings massiv in die Kritik. Spätestens seit dem DWDL.de-Bericht über abfällige Äußerungen gegenüber den Zuschauern seiner eigenen Sender war klar, dass er sich nicht bis zum Ende seiner Amtszeit halten wird können. Ebeling bezeichnete die Zuschauer von ProSieben, Sat.1 und den anderen Sendern in einem Telefoncall vor Analysten als "ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm". Ebeling wollte damit deutlich machen, dass die Konkurrenz durch Netflix nicht so groß sei und man immer noch viele Millionen Zuschauer pro Tag erreiche. 

ProSiebenSat.1 lässt nun verlautbaren, dass Ebeling bereits bei der letzten Vertragsverlängerung angekündigt hatte, für eine weitere Verlängerung nicht zur Verfügung zu stehen. Tatsächlich kündigte Ebeling bereits vor Monaten seinen Abschied 2019 an - noch vor dem DWDL.de-Bericht über seine abfälligen Bemerkungen berichteten "Süddeutscher Zeitung" und "FAZ" über einen möglichweise deutlich früheren Rückzug. Hintergrund sind die schlecht laufenden Geschäfte, ProSiebenSat.1 musste in diesem Jahr mehrmals seine Prognosen nach unten korrigieren, zuletzt vor wenigen Tagen (DWDL.de berichtete). 

Der Aufsichtsrat wird die Suche nach einem Nachfolger nun intensivieren. Bereits vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass das Gremium auf der Suche ist. Falls man bis Februar keinen geeigneten Kandidaten findet, wird Conrad Albert die Geschäfte übernehmen, deshalb nun auch die Beförderung zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Man wolle damit die Kontinuität im Unternehmen sichern und die weitere Umsetzung der Strategie garantieren, heißt es vom Konzern. 

Werner Brandt, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ProSiebenSat.1 Media SE, erklärt: "Thomas Ebeling steht dem Unternehmen als Vorstandsvorsitzender seit Anfang 2009 vor und hat sich in dieser Zeit als eine der herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten der Medienindustrie erwiesen. Ich möchte Thomas Ebeling im Namen des gesamten Aufsichtsrats für seine hervorragende Arbeit, die das Unternehmen zuletzt bis in den DAX geführt hat, sehr herzlich danken. Unsere Nachfolgesuche fokussiert auf eine Persönlichkeit, die die hervorragende Arbeit von Thomas Ebeling fortsetzt und die Diversifikation und die digitale Transformation mit ebenso unternehmerischem Weitblick weiter vorantreibt."

Brandt erklärt darüber hinaus, dass man ausdrücklich hinter der von Ebeling angeschobenen Strategie stehe - also der Fokussieren auf nur noch drei Unternehmensbereiche. Unter anderem sollen bekanntlich die Segmente Broadcasting German-speaking und Digital Entertainment zusammengeführt werden. Außerdem stehe man hinter der Strategie, sich Investoren für das Commerce-Geschäft zu suchen. 

Mein Nachfolger wird ein motiviertes und erfahrenes Team vorfinden, das bestens gerüstet ist, die Erfolgsgeschichte von ProSiebenSat.1 fortzusetzen.

Thomas Ebeling

Thomas Ebeling selbst sagt in einer Stellungnahme, er seie überzeugt davon, dass ProSiebenSat.1 "seiner Erfolgsgeschichte mit den eingeschlagenen Maßnahmen weitere positive Kapitel hinzufügen wird. Die angekündigte Drei-Säulen-Strategie wird die Wettbewerbsfähigkeit von ProSiebenSat.1 stärken und gleichzeitig einen bedeutenden Meilenstein in der Diversifikation und weiteren digitalen Transformation des Unternehmens darstellen, das nunmehr bereits mehr als 50 Prozent seiner Umsätze außerhalb des klassischen TV-Geschäfts erzielt. ProSiebenSat.1 hat mit seinem starken TV-Geschäft, seinem Zugang zu Daten und Technologie und dem dynamisch wachsenden Commerce-Geschäft alle Voraussetzungen, um auf diesem Weg erfolgreich voranzuschreiten." Er wünsche dem Unternehmen, dem Management-Team und den Mitarbeitern schon jetzt "alles Gute und weiterhin viel Erfolg". Sein Nachfolger werde ein "motiviertes und erfahrenes Team vorfinden".

Im Zuge der Bekanntgabe des Ebeling-Abgangs hat ProSiebenSat.1 nun noch einmal seine Erwartungen bestätigt, die man erst vor wenigen Tagen nach unten schrauben musste. Der Umsatz werde im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen, der Konzernjahresüberschusses soll leicht über dem des Vorjahres liegen. Damit will ProSiebenSat.1 den Börsianern zeigen, die Situation im Griff zu haben. Welche Auswirkungen der angekündigte Abgang Ebelings auf den Aktienkurs des Konzerns hat, wird sich voraussichtlich am Montag direkt nach Börsenstart zeigen. Seit Jahresbeginn ist der Kurs der Aktie in einem stetigen Sinkflug. Am 6. Dezember veranstaltet ProSiebenSat.1 seinen Kapitalmarkttag, bei dem man unter anderem über die Drei-Säulen-Strategie und den Stand der Portfoliomaßnahmen berichten will. 

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