US-Premiere "Bad Banks", Festival of German Films © German Films
US-Start im Mai

Auf ins Berghain: Was die "Bad Banks"-Macher vorhaben

 

Der US-VoD-Anbieter Hulu hat die gefeierte Miniserie "Bad Banks" gekauft und zeigt sie ab Mai seinen Abonnenten. Produzentin Lisa Blumenberg arbeitet derweil an der zweiten Staffel – und an einer neuen Berlin-Serie aus der Feder von Alexander Osang.

von Torsten Zarges
11.04.2018 - 16:34 Uhr

Nicht wenigen Kritikern gilt "Bad Banks" als die beste deutsche TV-Serie seit Jahren, und auch die Resonanz im Ausland ist positiv: Schon vor der ZDF-Ausstrahlung im März war der sechsteilige Finanzwelt-Thriller von Letterbox Filmproduktion und Iris Productions quer durch Europa und Australien verkauft. Ein weiterer wichtiger Ritterschlag folgt nun im Mai: Dann startet die deutsch-luxemburgische Koproduktion auch im US-Markt.

Hulu, die Streaming-Plattform von Disney, Fox, NBCUniversal und Time Warner, hat sich die Ausstrahlungsrechte gesichert. Mit gefeierten Eigenproduktionen wie "The Handmaid's Tale" oder "The Looming Tower" und 17 Millionen Abonnenten in den USA zählt Hulu dort zur ersten Liga der Video-on-Demand-Anbieter. "Hulu ist eine großartige Adresse, die für amerikanische Qualitätsinhalte steht", sagt "Bad Banks"-Produzentin Lisa Blumenberg im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. "Die Hulu-Original-Serie 'The Handmaid's Tale' räumte im letzten Jahr bei den Emmys ab. Ich freue mich riesig über die Einschätzung von Hulu, dass 'Bad Banks' auf diesem anspruchsvollen Markt mithalten kann."

Gemeinsam mit "Bad Banks"-Antagonistin Désirée Nosbusch und der deutschen Ex-Wall-Street-Investmentbankerin Sandra Navidi, einer Beraterin der Serie, feierte Blumenberg die US-Premiere am vorigen Wochenende in New York beim "Kino!2018"-Festival der Exportorganisation German Films. Dort war mit "Bad Banks" erstmals eine Serie eingeladen. Für den Weltvertrieb zeichnet die französische Firma Federation Entertainment verantwortlich. Den Deal mit Hulu hatte Monica Levy, Vice President of Sales & Acquisitions, eingefädelt.

Unterdessen haben die Serienmacher bei der Studio-Hamburg-Tochter Letterbox die zweite Staffel bereits fest im Blick. Dass die Koproduktionspartner der ersten Staffel – auf deutscher Seite das ZDF – weitermachen wollen, ist seit einigen Wochen klar (DWDL.de berichtete). "Schon während der Dreharbeiten zur ersten Staffel hat unser Headautor Oliver Kienle ein Konzept für die zweite entwickelt", so Blumenberg. "Auch das ZDF ist schon sehr früh in die Stoffentwicklung mit eingestiegen. Wir sind, redaktionell begleitet von Caroline von Senden und Alexandra Staib, mitten in der Bucharbeit und wollen im Januar anfangen zu drehen." Bis dahin sind freilich noch finanzielle Hürden zu bewältigen.

Für die erste "Bad Banks"-Staffel standen rund 8 Millionen Euro Budget zur Verfügung, für die Fortsetzung erhoffen sich die Macher mehr. "Eine zweite Staffel ist meist schwieriger als die erste", erklärt Michael Lehmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Studio Hamburg Production Group. "Man will den schon erreichten kreativen Erfolg ja mindestens wiederholen, am liebsten sogar noch eine Schippe drauflegen. Wenn also die Ansprüche steigen, muss man noch kräftiger trommeln, damit möglichst auch das Budget etwas steigt."

Eine der Konsequenzen daraus bietet sowohl finanzielles als auch inhaltliches Potenzial: Die Autoren um Kienle planen für Staffel zwei eine Storyline, die die junge Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) von Frankfurt nach Berlin führen wird. Der zusätzliche Schauplatz soll Blumenberg zufolge die Welt der Gründer- und Start-up-Hochburg in die Serienhandlung bringen. Damit wird auch eine zusätzliche Förderung durch das Medienboard Berlin-Brandenburg denkbar.

Spiegel
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Doch auch unabhängig von "Bad Banks" geht das Augenmerk von Letterbox-Produzentin Lisa Blumenberg verstärkt nach Berlin. Ein neues Serienprojekt, mit dessen Entwicklung sie gerade begonnen hat, soll den internationalen Mythos der deutschen Hauptstadt als Club- und Partyhochburg aufgreifen. Der Stoff basiert auf der Reportage "Tod in Berlin" von Alexander Osang, die Mitte März im "Spiegel" erschienen war. Darin berichtet Osang von einer jungen Amerikanerin, die im Juni 2017 mit ihrem Mann im berüchtigten Technoclub Berghain feierte und dort an einer Drogenvergiftung starb. Und er beleuchtet auch den größeren Kosmos dahinter, der Berlins spezielle Anziehungskraft mit einer außergewöhnlichen Liberalität und Freiheitsverheißung erklärt.

Osang hatte Blumenberg schon vor der Veröffentlichung von seinen Recherchen erzählt. Beide sahen das Potenzial für eine multiperspektivisch erzählte Miniserie, die inhaltlich weit über die "Spiegel"-Reportage hinausgehen und weder die Verfilmung eines realen Falls noch eine Crime-Serie werden soll. "Alexander Osang ist als Reporter ein präziser Menschenbeobachter mit einem untrüglichen Blick für Details", so Blumenberg. "In seinen Romanen verdichtet er unsere Wirklichkeit zu spannenden Geschichten und aufregenden Figuren. Und ein preisgekröntes Drehbuch hat er auch schon geschrieben. All diese Qualitäten machen ihn zu einem Ausnahme-Autor und fließen in unserem Serienprojekt aufs Wunderbarste zusammen. Berlin ist ein cooler Sehnsuchtsort für junge Leute, die aus aller Welt anreisen, um dort zu feiern und die Freiräume zu entdecken, die diese Stadt verspricht. Das hat nicht zuletzt mit der verheißungsvollen und geheimnisumwitterten Clubszene Berlins zu tun. Die Idee der Serie ist, den Mythos Berlin mit den Mitteln der Fiktion in all seinen Facetten zu beleuchten."

Osang, der bereits 2004 das Drehbuch zur ZDF-Verfilmung seines eigenen Romans "Die Nachrichten" geschrieben hatte, soll auch hier die Drehbücher schreiben. Potenzielle Sender- oder Vertriebspartner hat Letterbox bislang noch nicht angesprochen. Dass es nationales wie internationales Interesse an dem Projekt geben wird, steht für Studio-Hamburg-Produktionschef Lehmann jedoch außer Frage. "Osangs Stoff ist der Ausgangspunkt für eine junge, moderne Großstadtsaga", so Lehmann. "Nachdem deutsche High-End-Serien sich in den letzten Jahren oft in vergangene Zeiten geflüchtet haben, finde ich es eine faszinierende Herausforderung, aus dem Hier und Jetzt heraus zu erzählen mit einer Emotionalität, die junges internationales Publikum bewegt. Das ist uns mit 'Bad Banks' gelungen und wird hoffentlich auch mit Osangs Berlin-Serie klappen."


Über den Autor

Torsten Zarges ist seit 2013 Chefreporter des Medienmagazins DWDL.de. Stellt liebend gern Fragen – an deutsche Intendanten wie an US-Showrunner. Beruflich wie privat dreht sich bei ihm (fast) alles um Serien. Zitiert Selina Meyer: "Suck-up isn´t gonna fix a f***-up."

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