Tom Buhrow © WDR
"Massiver Glaubwürdigkeitsverlust"

Autoren kritisieren Buhrow für Umgang mit Umweltsau-Video

 

Auch die neue Woche beginnt für WDR-Intendant Tom Buhrow mit dem Umweltsau-Video. Nun wird er von zahlreichen Autoren für seinen Umgang mit dem Video kritisiert. Die Autoren erklären sich solidarisch mit den WDR-Mitarbeitern und fordern eine Onlinestellung des Videos.

von Timo Niemeier
06.01.2020 - 10:05 Uhr

Zahlreiche Drehbuch-Autoren von allen großen Satire-Sendungen haben eine Solidaritätserklärung unterzeichnet, in der sie sich hinter die Mitarbeiter des WDR stellen, "die von Ihrem Arbeitgeber aufs Fahrlässigste allein gelassen werden". Zudem fordern die Unterzeichner eine Wiederonlinestellung des umstrittenen Umweltsau-Videos. Der WDR und allen voran Tom Buhrow kommen damit weiterhin nicht zur Ruhe. Erst am vergangenen Freitag hatten WDR-Redakteure Buhrows Krisenmanagement kritisiert (DWDL.de berichtete). 

Buhrow selbst hat seine Umgang mit dem Video zuletzt immer wieder verteidigt. So erklärte er in einem Interview mit dem "Spiegel", man sei keinen rechten Trollen aufgesessen, als man das Video gelöscht habe. "Wir konnten die Mechanismen erkennen, aber wir konnten auch unterscheiden zwischen dem, was orchestriert ist, und dem, was echte Gefühlsäußerungen von ansonsten wohlmeinenden Hörern sind. Und da hatten wir wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon", so der WDR-Intendant. 

Die Autoren schreiben in ihrer Solidaritätserklärung nun, der Streit um das Lied entbehre "jeder rationalen Grundlage". Selbst das Wort Satirefreiheit scheine unangemessen, wenn die Empörungsschwelle so niedrig liege, dass sie von "jedem zweiten Popsong" gerissen werde. "Eine (!) fiktionale Oma diskriminiert genauso wenig eine ganze Generation wie der Alkoholiker-Vater aus 'Papa Was a Rollin’ Stone' nicht alle Männer für untauglich erklärt."

Der Skandal liege ganz woanders, so die Autoren. "Die Skandalisierung des Liedes folgt gut bekannten Mustern rechter Trolle. Diese wissen um die Absurdität ihrer Vorwürfe und missbrauchen den eigentlich sinnvollen Reflex unserer Zivilgesellschaft, andere nicht verletzen zu wollen." Sie würden damit den Diskurs "hacken". Buhrow sei mit seiner Reaktion in eine Falle getappt, aus der er ohne "massiven Gesichtsverlust nicht mehr heraus kommt", so die Autoren. "Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und der nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse und Meinungsfreiheit vor seine MitarbeiterInnen zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten."

Buhrow soll nach dem Willen der Autoren "die Konsequenzen" ziehen, wobei sie nicht klar formulieren, welche Konsequenzen das aus ihrer Sicht sind. Da die Autoren Buhrow aber eine Gefährdung von Presse- und Meinungsfreiheit vorwerfen, ist wohl davon auszugehen, dass sie einen Rücktritt des WDR-Intendanten erwarten. 

Unterschieben wurde die Solidaritätserklärung von mehr als 40 deutschen Comedy-Autoren, darunter unter anderem Max Bierhals, Alex Lindh, Mario Sixtus, Stefan Stuckmann, Thomas Rogel, Björn Mannel, Caroline Hafner, Annekathrin Lang, Antonia Stille, Vanessa Willi, Marc O. Seng und Ronny Schalk.


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