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Meine Woche in Serie

Zeit für einen Rückblick: Meine 14 Serien 2019

 

Unsere Kolumnistin Ulrike Klode zieht eine persönliche Bilanz des Serienjahrs: Für 2019 finden sich auf der Liste ihrer Highlights zwölf Serien und zwei Abschiede. Anders als im vergangenen sind es wieder mehr amerikanische als europäische Produktionen, die sie besonders beeindruckt haben.

von Ulrike Klode
07.12.2019 - 08:55 Uhr

Dezember - höchste Zeit für Rückblicke! Doch bevor ich zu den Serien komme, die mein Jahr bereichert haben, eine kleine Liste zur Einordnung meiner Highlights:

1. Ich habe schon im Februar eine Serie gesehen, von der ich so begeistert war, dass ich sie sofort als Nummer 1 auf meine Serien-des-Jahres-Liste geschrieben habe.
2. Ich habe schon im Februar eine Liste angefangen, um sicher zu gehen, dass dieses Februar-Erlebnis nicht in Vergessenheit gerät. (Die Liste an sich ist dann in Vergessenheit geraten. Aber: Ich hatte eine Liste! Etwas, das ich mir die Jahre vorher immer nur vorgenommen, aber nie umgesetzt hatte.)
3. Ich habe mehr alte Serien als im vergangenen Jahr angeschaut. Entsprechend weniger Zeit hatte ich für neue Serien. Das hat sich allerdings nicht unbedingt darauf ausgewirkt, dass ich weniger neue Serien angefangen habe, um mir einen Eindruck zu verschaffen - sondern darauf, dass ich weniger neue Serien auch weitergeschaut habe.
4. Das "Wow!"-Gefühl, das ich 2018 vor allen Dingen bei amerikanischen Produktionen vermisst hatte (nachlesbar in meinem Rückblick 2018), war wieder da. 2019 habe ich großartige Serien gesehen, die anders waren, die mit Konventionen gebrochen haben, die in Nischen etwas Besonderes ausprobiert haben.
5. In meiner Highlights-Liste finden sich wieder mehr amerikanische Produktionen als europäische. (Was eine Folge aus Punkt 4 sein könnte.)
6. Ich bin mit meinem Rückblick etwas früher dran als in den Vorjahren. Das hat zur Folge, dass die jährliche Erhebung, wieviele Serien es in den USA 2019 gab, noch nicht veröffentlicht wurde. Daher: ein Rückblick ohne Branchenzahlen. 

Jetzt aber: meine Serien-Highlights, in alphabetischer Reihenfolge.

"Chernobyl"
... weil die Serie mir eine Katastrophe und die Umstände davor und danach zurück in Erinnerung gerufen hat, die meine Kindheit geprägt hat, für die ich bis dahin aber keine Bilder und zu wenig Zusammenhang hatte.
Drama-Serie über die nukleare Katastrophe in Tschernobyl 1986, gibt's zum Beispiel bei Amazon, iTunes oder den Sky-Streamingangeboten. Ein ziemlich langer Kolumnentext von mir dazu findet sich hier.

"Fett und Fett"
... weil mich dieses melancholische Treibenlassen der Hauptfigur Jaksch berührt hat.
Deutsche Dramedy-Serie, gibt's in der ZDF-Mediathek. Darüber geschrieben habe ich auch, und zwar hier.

"Fleabag", Staffel 2
... weil ich nicht erwartet hatte, dass die ohnehin schon großartige Serie noch besser werden kann, allein die erste Folge der zweiten Staffel ist eine der besten Serienfolgen, die ich seit langer Zeit gesehen habe.
Sehr britische Dramedy-Serie, nur bei Amazon. Eine ausführliche Lobhudelei von mir dazu gibt's hier.

"GLOW", Staffel 3
... weil ich überrascht davon war, wie sich die Serie mit dem Umzug der Figuren nach Las Vegas überzeugend neu erfunden hat und mit dieser Staffel die beiden vorigen noch übertroffen hat.
Serie über eine Frauen-Wrestlingsshow, die es in den 80er-Jahren gegeben hat, nur bei Netflix.

"Good Omens"
... weil ich sehr viel Spaß daran hatte, wie treffend und aufwändig hier das wunderbare Buch von Neil Gaiman umgesetzt wurde.
Fantasy-Serie, nur bei Amazon verfügbar. 

"Matrjoschka" aka "Russian Doll"
... weil die Serie mich in jeder Folge, in vielen Szenen immer wieder überrascht hat, wie das bisher keiner Serie gelungen ist. (Das ist übrigens die oben angesprochene Februar-Serie.) 
Philosophische Zeitschleifen-Mystery-Serie im Dramedygewand, nur bei Netflix zu sehen. Eine ausführliche Lobhudelei von mir dazu gibt's hier.

"The Dark Crystal: Age of Resistance"
... weil mich die Serie davon überzeugt hat, dass man auch mit Puppen mitfiebern kann.  
Puppen-Fantasy-Serie, Prequel zum Film "The Dark Crystal", nur bei Netflix. Mehr von mir dazu findet sich hier.

"Unbelievable"
... weil das die erste Krimi-Serie ist, die es schafft, das Verbrechen Vergewaltigung in den Mittelpunkt zu rücken und gleichzeitig angemessen mit dem Thema umzugehen.
Krimi-Serie, die auf einem wahren Verbrechen basiert, nur bei Netflix verfügbar. Hier habe ich mehr dazu geschrieben.

"Undone"
... weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass mich eine Animationsserie so packen könnte, dass ich mich mit der Hauptfigur identifizieren kann.
Animationsserie, nur bei Amazon.

"Veronica Mars", Staffel 4
... weil es mit der Fortsetzung zwölf Jahre nach der dritten Staffel gelungen ist, eine meiner Lieblingsserie in die neue Serienzeit zu transportieren.
Neo-noir Krimi-Serie, bei Amazon, Maxdome und Microsoft verfügbar. Eine Lobhudelei von mir dazu gibt's hier.

"Watchmen"
... bisher war für mich jede einzelne Folge ein Fest - sowohl was die Handlung, die Figuren, die Bilder als auch die Musik angeht. Ich hoffe sehr, dass die Serie dieses Niveau bis zum Ende der Staffel halten kann. 
Adaption der Comic-Reihe als Realfilm-Drama-Serie, die bereits bei Sky gesendeten Folgen sind zum Beispiel bei Amazon, Maxdome on der den Sky-Streamingdiensten verfügbar. 

Nicht neu, von mir aber erst in diesem Jahr entdeckt:
"Brooklyn Nine-Nine"
, Staffel 1 bis 5 
... weil ich nirgendwo sonst in diesem Jahr so häufig gelacht habe. 
Sitcom über eine Polizei-Abteilung im New Yorker Stadtteil Brooklyn, gibt's zum Beispiel bei Amazon, iTunes, Maxdome oder Netflix. Natürlich konnte ich es nicht lassen und habe einen längeren Text über meine spätentdeckte Begeisterung für die Serie geschrieben - und zwar hier.

2019 gab es natürlich einige Abschiede - Serien, bei denen das Ende lange vorher angekündigt war und auch Serien, die überraschend eingestellt wurden. Für mich waren zwei davon besonders wichtig:
"Game of Thrones"

... weil es einerseits natürlich eine auf mehreren Ebenen gigantische Serie war, die mit einer heiß diskutierten Finalstaffel beendet wurde. Weil man andererseits aber auch viel von dieser Serie - wie sie sich entwickelt hat und wie sie entwickelt wurde - lernen kann. Mein Text über die Lehren, die man aus der Serie ziehen kann, findet sich hier.
"Veep"

... weil ich Selina Meyer (gespielt von Julia Louis-Dreyfus) vermissen werde. Eine solche ätzende, narzisstische und gleichzeitig so witzige Frauenfigur ist eine Ausnahmeerscheinung.

Meine Kolumne macht jetzt eine kleine Weihnachtspause, Mitte Januar geht's hier weiter.
Haben Sie frohe Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr! Und vielleicht finden Sie ja auch Zeit für die ein oder andere Serie mit "Wow!"-Gefühl. :-)

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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