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Meine Woche in Serie

Zeit für einen Rückblick: Meine zwölf Serien 2017

 

Unsere Kolumnistin Ulrike Klode zieht eine persönliche Bilanz des Serienjahrs. Ihre Lieblingsserien-Liste 2017 umfasst zehn Serien, darunter drei deutsche. Dazu: zwei herausragende Serien, die zwar älter sind, die sie aber erst dieses Jahr geschaut hat.

von Ulrike Klode
25.11.2017 - 08:20 Uhr

Ja, ich bin sehr früh dran mit meiner Lieblingsliste in diesem Jahr. Aber weil ich ab nächster Woche eine kleine Kolumnenpause einlege, ist dieser letzte Samstag im November die letzte Möglichkeit für meine Jahresbilanz. Und wie immer ist folgender Hinweis wichtg: Ich erhebe mit der Liste nicht den Anspruch, die besten Serien des Jahres zu küren. Ein solcher Anspruch widerspräche nämlich meiner Kolumne und meinem Verständnis von Serienrezeption, die meiner Ansicht nach immer subjektiv gefärbt ist. Hinzu kommt die schiere Menge: Auch 2017 war/ist ein Serienboom-Jahr, kein Mensch kann tatsächlich alle neuen Serien und alle neuen Staffeln geschaut haben. Ich habe in diesem Jahr bei meinem eigenen Guckverhalten die Priorität auf neue Serien gelegt, einige Staffeln von Serien, die ich sehr gerne schaue, sind liegengeblieben. Staffel 4 von "You're The Worst", zum Beispiel. Oder die finale Staffel von "Episodes". Oder auch Staffel 4 von "BoJack Horseman".

Meine Liste besteht also in diesem Jahr wieder aus den Serien, die mich persönlich begeistert haben. Insgesamt zehn Serien, die ganz neu sind oder von denen eine neue Staffel veröffentlicht wurde, stehen auf der Liste. Serien, deren erste Staffel ich noch nicht beendet habe oder die noch nicht komplett veröffentlicht wurde, habe ich aussortiert. Außerdem habe ich weiter unten eine kleine Extra-Liste mit zwei Serien verfasst, die älter sind, die ich aber erst in diesem Jahr für mich entdeckt habe.

Es gibt drei erste Plätze. Und sieben vierte Plätze. ;-)

1. Plätze (alphabetisch sortiert)

"American Gods" - Bei dieser Serie war ich mir schon im Juni sicher: das Highlight meines Serienjahres. Diese Adaption von Neil Gaimans gleichnamigem Roman hat mich begeistert, weil sie mit einer unglaublichen visuellen Kraft umgesetzt wurde. Und gleichzeitig das Buch um einige unerwartete erzählerische Facetten ergänzt hat. Fantastisch! Neil Gaimans Fantasy-Geschichte, die ohnehin schon gut ist, wurde durch die Serie von Bryan Fuller und Michael Green noch besser - womit ich beim Lesen des Buches nicht gerechnet hatte. Eine ausführliche Lobhudelei gibt's hier.

"Legion" - Verrückt. Fast unbeschreiblich. Und schwer zu durchschauen. Diese Superheldencomic-Adaption wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Während ich mir bei "American Gods" sehr sicher bin, dass mich die zweite Staffel nicht enttäuschen wird, habe ich vor der zweiten Staffel von "Legion" ein bisschen Bammel. Denn es könnte durchaus sein, dass sie in die Hose geht. Einen längeren Text zu "Legion" von mir gibt's hier

"Master of None", 2. Staffel - Apropos Bammel vor der zweiten Staffel: Ja, auch bei "Master of None" hatte ich Sorgen, dass die zweite Staffel mich enttäuschen könnte. Das ist glücklicherweise nicht passiert. Ganz im Gegenteil: Ich fand die Fortsetzung sogar noch ein bisschen besser als die erste Staffel, was ich absolut nicht erwartet hätte. Jede einzelne Folge ist ein kleines Meisterwerk, und nach der letzten war ich traurig, dass keine neue auf mich wartet. Natürlich gibt's auch dazu eine eigene Lobhudelei

4. Plätze (alphabetisch sortiert)

"4 Blocks" - Großartige deutsche Mafia-Serie, die - anders als die meisten deutschen Krimi-Serien - nicht aus der Sicht der Polizei erzählt wird, sondern aus der Sicht der Kriminellen. Kraftvolle Bilder, dicht erzählt und sehr überzeugende Darsteller. Mehr von mir über die Serie gibt's hier.

"Das Verschwinden" - Krimi-Serie ohne Ermittler, die so viel mehr ist als eine Krimi-Serie: eine Gesellschaftsstudie in der deutschen Provinz. Interessante Frauenfiguren im Mittelpunkt einer spannenden Geschichte. Große Freude! Eine ausführliche Kritik von mir gibt's hier

"Hindafing" - Drogen, Schulden, Korruption - in einem Bürgermeisteramt in der bayerischen Provinz. Die Entwicklungen sind herrlich absurd, Erinnerungen an "Fargo" werden wach. Maximillian Brückner spielt die Hauptfigur Alfons Zischl einfach grandios. Mehr dazu hier

"One Day at a Time" - Eigentlich eine klassische Multi-Camera-Sitcom, doch mit überraschendem Tiefgang. Lustig und sensibel zugleich werden Themen wie Coming Out, Illegale in den USA, die Herausforderungen einer Alleinerziehenden oder der Umgang mit Kriegsveteranen erzählt. Etwas mehr darüber habe ich hier geschrieben. 

"Patriot" - Ein traumatisierter Geheimagent, der einen nicht kaltlässt: "Patriot" ist eine unkonventionelle Spionageserie, spannend und anrührend erzählt. Eine ausführliche Lobhudelei gibt's hier

"The Good Place" - Witzig, clever und philosophisch. Und wenn man die erste Staffel zu Ende geschaut hat, sieht man die Serie in einem ganz anderen Licht. Dazu: Kristen Bell in der Hauptrolle. Natürlich gehört "The Good Place" zu meinen Serienlieblingen. Und ja, natürlich habe ich auch einen Text darüber geschrieben. 

"The Good Fight" - Ein Spin-off von "The Good Wife"? Klar war ich skeptisch. Aber ich habe jede Minute geliebt. Weil hier das Kunststück gelungen ist, dem Ableger eine etwas andere Richtung zu geben, die der neuen Hauptfigur Diane Lockhart (die in der Mutterserie eine wichtige Nebenfigur war) gerecht wird. Und ich bin gerade selbst etwas überrascht, dass ich noch keinen Extra-Text über "The Good Fight" geschrieben habe - das werde ich wohl nächstes Jahr auf jeden Fall nachholen.

 

Zwei Serien, die ich in diesem Jahr erst entdeckt habe, die aber die Aufnahme in jede existierende Lieblingsliste verdient hätten:

"Borgen" - Birgitte Nyborg (gespielt von Sidse Babett Knudsen) ist eine faszinierende Frau im Mittelpunkt einer unglaublich guten Politikserie. Und ich ärgere mich, dass ich mich so lange davor gedrückt habe, diese dänische Serie endlich anzuschauen. Im Podcast "Seriendialoge" erklärt mir Professorin und Serien-Produzentin Dr. Eva Stadler, was sie an "Borgen" fasziniert. 

"Please Like Me" - Ein kleines Juwel aus Australien, das mich in diesem Jahr gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen gebracht hat. Tragische, einschneidende Erlebnisse mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt. Das ist große Serienkunst. Die ausführliche Lobhudelei findet sich hier

 

Und da das Jahr noch längst nicht vorbei ist, kommt hier eine kleine Vorfreude-Liste für die nächsten vier Wochen:

"Dark" - Die erste deutsche Netflix-Serie! Große Erwartungen! Ob ich mich nur deswegen darauf freue? Nein, das würde mich kaltlassen, wenn ich nicht schon einiges über die Serie gehört/gelesen hätte, was sie für mich interessant macht: Sie spielt in der deutschen Provinz und verspricht, eine Mischung zwischen Mystery und Science Fiction zu sein. 

"The Marvelous Mrs. Maisel" - Anders als bei "Dark" habe ich hiervon schon den Piloten gesehen, der Anfang des Jahres von Amazon veröffentlicht wurde. "The Marvelous Mrs. Maisel" ist die neue Serie von "Gilmore Girls"-Erfinderin Amy Sherman-Palladino. Im Mittelpunkt steht - ähnlich wie bei "Gilmore Girls" - eine Frau, die aus ihrem sozialen Umfeld ausbricht und etwas Neues wagt. Der Pilot war sehr vielversprechend, ich hätte sehr gerne sofort weitergeschaut.

"The Crown", 2. Staffel - Ich hätte Claire Foy den Emmy als beste Hauptdarstellerin gegönnt, denn ihre Darstellung der jungen Queen Elizabeth in der ersten Staffel von "The Crown" ist großartig. Jetzt hoffe ich, dass die zweite Staffel mindestens ebenso gut wird und Foy dann bei den Emmy Awards 2018 eine neue Chance bekommt.

Meine Kolumne macht jetzt eine kleine Pause - Ende Januar geht es weiter. Haben Sie eine schöne Adventszeit und wunderbare Feiertage!

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"American Gods": Verfügbar zum Beispiel bei Amazon Video (Prime), iTunes oder Videoload.

"Legion": Ab 6. Dezember wird die Serie im deutschen Bezahlsender Fox wiederholt. Verfügbar zum Beispiel bei Amazon Video, iTunes oder Maxdome. 

"Master of None", Staffel 2: Nur bei Netflix.

"4 Blocks": Am 28. November ist die Premiere im frei empfangbaren TV: bei ZDFneo und ab dann sind die Folgen nach und nach auch online bei funk.net zu sehen. Verfügbar zum Beispiel bei Amazon Video, iTunes oder Sky Ticket/Sky Go. 

"Das Verschwinden": Gibt's online in der ARD-Mediathek. Außerdem verfügbar bei Amazon Video und iTunes.

"Hindafing": Verfügbar zum Beispiel bei Amazon Video, iTunes oder Netflix.

"One Day at a Time": Nur bei Netflix.

"Patriot": Nur bei Amazon Video (Prime).

"The Good Fight": Ist derzeit im deutschen Bezahlsender Fox zu sehen. Verfügbar bei Sky Ticket/Sky Go.

"The Good Place": Verfügbar zum Beispiel bei Amazon Video, iTunes oder Maxdome.

"Borgen": Nur auf DVD.

"Please Like Me": Verfügbar bei Netflix.

"Dark": Wird am 1. Dezember bei Netflix veröffentlicht.

"The Marvelous Mrs. Maisel": Wird am 1. Dezember bei Amazon Video (Prime) veröffentlicht.

"The Crown", Staffel 2: Wird am 8. Dezember bei Netflix veröffentlicht.

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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