Armin Laschet und Tom Buhrow © imago images / APress
Im Interesse der Mitarbeiter gehandelt?

NRW-Ministerpräsident nimmt Tom Buhrow in Schutz

 

Die Mitarbeiter im WDR sind sauer auf Tom Buhrow, weil der ihnen aus ihrer Sicht in den Rücken gefallen ist. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat eine andere Meinung: Mit der Entschuldigung in der Umweltsau-Affäre habe Buhrow im Sinne der Mitarbeiter gehandelt.

von Timo Niemeier
10.01.2020 - 15:38 Uhr

Dass das Umweltsau-Video des WDR so große Kreise gezogen hat, ist auch Armin Laschet zu verdanken. Der Ministerpräsident von NRW kritisierte den Sender dafür, Kinder zu instrumentalisieren. Der Politiker sah zudem die "Grenzen des Stils und des Respekts gegenüber Älteren überschritten". Nun hat Laschet dem "Spiegel" ein Interview gegeben. Leider wurde er darin nicht befragt, ob er es in Ordnung findet, Kinder statt Satire-Lieder singen zu lassen auf politische Wahlplakate zu kleben. In der Umweltsau-Sache hat er seine Meinung aber nach wie vor nicht geändert. 

So nimmt Laschet auch WDR-Intendant Tom Buhrow in Schutz, der sich für das Video entschuldigt hatte. Das sei ein gutes Signal gewesen. "Was soll daran schlimm sein, wenn man sich für einen Fehler entschuldigt? Ich glaube, dass der Intendant hier im Interesse des Senders, seiner Mitarbeiter und deren Arbeitsplätzen gehandelt hat", so der NRW-Ministerpräsident. Das sehen viele Mitarbeiter im Sender wohl anders - und machten das zuletzt auch auf einer internen Redakteursversammlung gegenüber Buhrow deutlich

Laschet nimmt in dem Interview mit dem "Spiegel" die Öffentlich-Rechtlichen in die Pflicht und sagt, die gesamte Medienlandschaft stehe unter Druck, ganze Lokalzeitungsredaktionen würden schließen. "Die Einzigen, die da eine privilegierte Stellung haben, sind die Redakteure im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Jüngste Gutachten im Zuge der Beitragsdebatte bescheinigen ihnen überdurchschnittliche Gehälter. Alles ist staatlich garantiert, egal ob es einer schaut oder nicht: Der Sender sendet." Da erwarte er auch eine "gewisse Verantwortung, dass man den Programmauftrag ernst nimmt". Es könne nicht sein, dass man in Deutschland vom Papst abwärts alles kritisieren dürfe, "nur nicht die Beiträge des Westdeutschen Rundfunks". 

Ein Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei er nicht, versichert Laschet gegenüber dem "Spiegel". "Jeder, der mich in den Verhandlungen der 16 Länder über den neuen Rundfunkstaatsvertrag erlebt, weiß, dass wir in Nordrhein-Westfalen große Unterstützer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind. Ich werbe gerade für eine gute und angemessene Finanzierung, während andere klar sagen, sie würden keiner Beitragserhöhung mehr zustimmen", sagt der Ministerpräsident. Ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk brauche aber eben auch eine "Fehlerkultur". 

Besonders in der Kritik stehen viele Medienhäuser seit der Silvesternacht 2015, als es zu vielen sexuellen Übergriffen im Bereich des Kölner Hauptbahnhofs kam. Tagelang wurde nicht oder nur unzureichend berichtet. Er habe das Gefühl, so Laschet, dass die Öffentlich-Rechtlichen seither ihre Berichterstattung hinterfragt hätten. "Seither wird auch versucht, über bestehende Probleme bei der Migration ausgewogener zu berichten". Der Ministerpräsident von NRW spricht sich in dem Interview außerdem dafür aus, alle Anstalten der ARD beizubehalten, also auch die kleineren. Sie würden das föderale System spiegeln. Bei den Strukturen soll sich nach dem Willen von Armin Laschet aber etwas ändern, etwa bei der technischen Infrastruktur. Die Summen, die ARD und ZDF im Bereich der Sportrechte ausgeben, bezeichnet Laschet als "absurd". Da müssten die Sender behutsamer und sparsamer sein. "Auch die Honorare für die Moderation von Samstagabendshows erscheinen teilweise zu hoch."

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